Lipofilling bei kleinen Brustdefekten nach brusterhaltender Operation und Bestrahlung
- Dr. Mahyar Foumani

- 29. März
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 18. Mai
Nach einer brusterhaltenden Operation und Bestrahlung bemerken viele Frauen mit der Zeit Veränderungen an der Form ihrer behandelten Brust. Eine kleine Delle, eine Einbuchtung oder eine zarte Asymmetrie kann entstehen, wenn die Bestrahlung das Gewebe strafft und fester macht. Auch wenn diese Veränderungen meist gering sind, können sie das Selbstvertrauen und Wohlbefinden spürbar belasten. Die Eigenfetttransplantation — auch Lipofilling oder Fat Grafting genannt — bietet dafür eine bemerkenswert wirksame und minimal-invasive Lösung: kleine Brustdefekte werden mit Ihrem eigenen Körperfett korrigiert.
Was ist die Eigenfetttransplantation?
Bei der Eigenfetttransplantation handelt es sich um ein chirurgisches Verfahren, bei dem körpereigene Fettzellen von einer Körperstelle an eine andere verlagert werden. Im Rahmen der Brustrekonstruktion nach einer brusterhaltenden Operation werden damit gezielt Konturunregelmäßigkeiten ausgeglichen — also die kleinen Vertiefungen oder Formveränderungen, die nach Krebsoperation und Bestrahlung auftreten können. Anders als Implantate oder aufwendige Lappenplastiken nutzt dieses Verfahren ausschließlich Ihr eigenes Gewebe — und liefert dadurch ein vollkommen natürliches Ergebnis.
Wichtig zu wissen: Das Lipofilling erfolgt nahezu immer als sekundärer Eingriff — nie als primäre Rekonstruktionsmethode. Üblicherweise wird es erst nach vollständiger Heilung und Abschluss der Bestrahlung durchgeführt, in der Regel mindestens 6 bis 12 Monate nach der letzten Behandlung.
Wie läuft der Eingriff ab?
Das Lipofilling besteht aus drei sorgfältig aufeinander abgestimmten Schritten: Zunächst werden Fettzellen schonend an Spenderstellen wie Bauch, Oberschenkeln oder Flanken entnommen — vergleichbar mit einer kleinen Fettabsaugung. Anschließend wird das gewonnene Fett aufbereitet; dabei werden gesunde Fettzellen von Flüssigkeiten und beschädigten Zellen getrennt. Im letzten Schritt wird das aufbereitete Fett präzise und in mehreren Schichten in die betroffenen Bereiche der Brust injiziert, um Vertiefungen aufzufüllen und eine bessere Symmetrie zu erreichen.
Der gesamte Eingriff dauert in der Regel rund eine Stunde pro Brust und erfolgt ambulant. Die meisten Frauen können noch am selben Tag wieder nach Hause.
Die Vorteile des Lipofillings
Weil ausschließlich körpereigenes Gewebe verwendet wird, sehen und fühlen sich die Ergebnisse vollkommen natürlich an. Die Forschung zeigt zudem: Fettzellen enthalten Stammzellen mit regenerativen Eigenschaften, die durch Bestrahlung geschädigtes Gewebe tatsächlich verbessern können. Diese Stammzellen fördern die Bildung neuer Blutgefäße, mildern Fibrose und verbessern die Gewebequalität insgesamt. Viele Frauen erleben nach dem Lipofilling, dass ihre Haut weicher und elastischer wird.
Ein zusätzlicher ästhetischer Nebeneffekt: Die Entnahmestellen profitieren von der Fettabsaugung — und es sind nur winzige Schnitte nötig, sodass praktisch keine sichtbaren Narben zurückbleiben.
Heilung und Erwartungen
Die Heilung nach einem Lipofilling verläuft deutlich einfacher als nach den meisten anderen rekonstruktiven Eingriffen. Leichte Blutergüsse und Schwellungen klingen üblicherweise innerhalb von ein bis zwei Wochen ab. Die meisten Frauen nehmen leichte Aktivitäten schon nach wenigen Tagen wieder auf. Typischerweise überleben 40 bis 70 Prozent der injizierten Fettzellen langfristig. Für größere Korrekturen können 2 bis 3 Sitzungen im Abstand von 3 bis 6 Monaten nötig sein.
Für wen eignet sich Lipofilling?
Die Eigenfetttransplantation eignet sich besonders für Frauen mit kleinen bis mittelgroßen Konturdefekten nach einer brusterhaltenden Operation. Ideale Kandidatinnen haben die Strahlentherapie abgeschlossen und ausreichend Heilungszeit eingehalten (mindestens sechs, idealerweise zwölf Monate). Außerdem muss genügend Spenderfett an Bauch, Oberschenkeln oder Flanken vorhanden sein. Wichtig: Nach dem Eingriff können kleine Verkalkungen auf der Mammographie sichtbar werden — informieren Sie deshalb immer Ihren Radiologen.
Häufig gestellte Fragen
Ist Lipofilling nach einer Bestrahlung sicher?
Ja — Lipofilling gilt als sicher und ist nach einer Bestrahlung sogar besonders vorteilhaft. Die Stammzellen im transplantierten Fett haben regenerative Eigenschaften, die strahlengeschädigtes Gewebe verbessern können. Der Eingriff sollte idealerweise 6 bis 12 Monate nach Abschluss der Bestrahlung erfolgen.
Wie viele Sitzungen sind nötig?
Für kleine Konturdefekte reicht oft eine einzige Sitzung. Da nur 40 bis 70 Prozent des transplantierten Fetts langfristig erhalten bleiben, profitieren manche Frauen von 2 bis 3 Sitzungen im Abstand von 3 bis 6 Monaten.
Beeinflusst Lipofilling die Mammographie?
Lipofilling kann gelegentlich kleine Verkalkungen verursachen, die auf der Mammographie sichtbar werden. Erfahrene Radiologen können diese in der Regel zuverlässig von verdächtigen Verkalkungen unterscheiden. Geben Sie deshalb frühere Lipofilling-Eingriffe immer an.
Wie lange halten die Ergebnisse?
Fettzellen, die erfolgreich eine eigene Blutversorgung aufbauen, bleiben dauerhaft erhalten. Sie verhalten sich wie normales Fett und verändern sich bei Gewichtsschwankungen entsprechend mit. Das endgültige Ergebnis stabilisiert sich nach etwa 3 bis 6 Monaten.
Welche Risiken bringt Lipofilling mit sich?
Das Lipofilling ist ein risikoarmer Eingriff. Mögliche Nebenwirkungen sind vorübergehende Blutergüsse, Schwellungen und in seltenen Fällen eine Fettnekrose. Schwere Komplikationen treten kaum auf.
Verfasst von Dr. Mahyar Foumani, Facharzt für plastische und rekonstruktive Chirurgie mit Spezialisierung auf Brustrekonstruktion. Basierend auf dem Buch 'Brustrekonstruktion Erklärt.'

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