Eigenfetttransplantation (Lipofilling) der Brust nach Brustkrebs: Ablauf, Ergebnis, Grenzen
Aktualisiert: 3. Okt.
Eine Eigenfetttransplantation (Lipofilling) ist ein kleiner Eingriff. Dabei wird eigenes Fett vom Bauch oder Oberschenkel abgesaugt und in die Brust gespritzt. So lassen sich kleine Dellen nach einer brusterhaltenden Operation, nach Bestrahlung oder nach einer Brustrekonstruktion auffüllen. Der Eingriff dauert meist rund eine Stunde pro Brust und erfolgt ambulant. Ein Teil des Fetts wird vom Körper abgebaut, deshalb sind manchmal mehrere Sitzungen nötig.

Standbild aus der Animation: Eigenfett wird in kleinen Mengen in die Brust eingebracht.
Video: So läuft eine Eigenfetttransplantation der Brust ab.
In diesem Artikel
Was ist eine Eigenfetttransplantation?
Bei einer Eigenfetttransplantation wird Fett von einer Körperstelle an eine andere gebracht. Ärztinnen und Ärzte nennen den Eingriff auch Lipofilling oder Fat Grafting. Das Fett stammt meist vom Bauch, von den Oberschenkeln oder von den Flanken. Es wird dort mit einer dünnen Kanüle abgesaugt, gereinigt und dann in kleinen Mengen in die Brust gespritzt.
Bei der Brust wird das Verfahren fast immer als zweiter Schritt eingesetzt. Es ersetzt keine erste Rekonstruktion. Es verfeinert eine Form, die schon da ist: eine Brust nach brusterhaltender Operation, eine rekonstruierte Brust oder eine Brust nach Bestrahlung. Die Behandlung nutzt nur Ihr eigenes Gewebe. Das Ergebnis sieht und fühlt sich deshalb natürlich an.
Wann ist Lipofilling der Brust sinnvoll?
Lipofilling eignet sich vor allem für kleine bis mittelgroße Konturprobleme. Typische Gründe sind:
Kleine Dellen nach einer brusterhaltenden Operation: Wo Gewebe entfernt wurde, bleibt manchmal eine Einbuchtung zurück. Eigenfett kann diese Delle auffüllen.
Konturen nach einer Brustrekonstruktion: Nach einem Aufbau mit Implantat oder mit eigenem Gewebe (zum Beispiel einem DIEP-Lappen) können Übergänge sichtbar sein, etwa am oberen Brustrand oder zur Achsel hin. Eigenfett macht diese Übergänge weicher.
Unterschiede zwischen beiden Brüsten: Eine leichte Asymmetrie lässt sich oft mit Eigenfett ausgleichen.
Verhärtetes Gewebe nach Bestrahlung: Hier kann Lipofilling nicht nur Volumen geben, sondern auch die Haut weicher machen.
Voraussetzung ist, dass die Krebsbehandlung abgeschlossen und die Brust ausgeheilt ist. Nach einer Bestrahlung wartet man in der Regel mindestens sechs bis zwölf Monate. Außerdem muss genug Spenderfett vorhanden sein. Sehr schlanke Frauen kommen für das Verfahren manchmal nicht in Frage.
Lipofilling bei Fibrose nach Bestrahlung
Eine Bestrahlung kann das Gewebe der Brust straffer, fester und weniger elastisch machen. Das nennt man Fibrose. Die Haut fühlt sich dann hart an, und die Brust kann kleiner oder verzogen wirken. Manche Frauen spüren auch ein Spannungsgefühl.
Eigenfett enthält Stammzellen mit regenerativen Eigenschaften. Die Forschung zeigt, dass diese Zellen die Bildung neuer Blutgefäße fördern, Fibrose mildern und die Gewebequalität verbessern können. Viele Frauen erleben nach dem Lipofilling, dass ihre Haut weicher und elastischer wird. Das Verfahren ersetzt keine andere Behandlung der Fibrose, kann sie aber sinnvoll ergänzen. Ihr Behandlungsteam beurteilt, ob Ihr Gewebe dafür geeignet ist.
Ablauf der Eigenfetttransplantation
Der Eingriff besteht aus drei Schritten. Er dauert meist rund eine Stunde pro Brust und erfolgt ambulant. Die meisten Frauen gehen noch am selben Tag wieder nach Hause.
Entnahme: Über winzige Schnitte wird Fett am Bauch, an den Oberschenkeln oder an den Flanken abgesaugt. Das ähnelt einer kleinen Fettabsaugung.
Aufbereitung: Das gewonnene Fett wird gereinigt. Dabei werden gesunde Fettzellen von Flüssigkeit und beschädigten Zellen getrennt.
Einbringen: Das aufbereitete Fett wird mit einer feinen Kanüle in mehreren dünnen Schichten in die Brust gespritzt. So bekommt jede Fettzelle Anschluss an die Blutversorgung.
Die Heilung ist deutlich einfacher als nach den meisten anderen rekonstruktiven Eingriffen. Leichte Blutergüsse und Schwellungen an Brust und Entnahmestellen klingen meist innerhalb von ein bis zwei Wochen ab. Leichte Tätigkeiten sind oft schon nach wenigen Tagen wieder möglich. An den Entnahmestellen bleiben nur winzige Narben zurück.
Wie viele Sitzungen sind nötig?
Für eine kleine Delle reicht oft eine einzige Sitzung. Bei größeren Korrekturen sind meist zwei bis drei Sitzungen nötig. Zwischen den Sitzungen liegen in der Regel drei bis sechs Monate. So kann das Gewebe zur Ruhe kommen, und Ihr Chirurg sieht, wie viel Fett angewachsen ist.
Wie viele Sitzungen Sie brauchen, hängt von der Größe der Delle, von der Qualität des Gewebes und vom verfügbaren Spenderfett ab. Bestrahltes Gewebe nimmt Fett oft etwas schlechter auf. Dann sind eher mehrere kleine Schritte sinnvoll als ein großer.
Ergebnis und Haltbarkeit
Ein Teil des eingebrachten Fetts wird vom Körper wieder abgebaut. Typischerweise überleben 40 bis 70 Prozent der injizierten Fettzellen langfristig. Deshalb bringt Ihr Chirurg meist etwas mehr Fett ein, als am Ende bleiben soll. Das endgültige Ergebnis stabilisiert sich nach etwa drei bis sechs Monaten.
Fettzellen, die erfolgreich eine eigene Blutversorgung aufgebaut haben, bleiben dauerhaft erhalten. Sie verhalten sich wie normales Körperfett. Nehmen Sie zu oder ab, verändert sich auch die behandelte Brust ein wenig. Das Ergebnis sieht natürlich aus und fühlt sich weich an.
Grenzen und Risiken
Lipofilling gilt als risikoarmer Eingriff. Schwere Komplikationen sind selten. Sie sollten aber die Grenzen kennen:
Ölzysten und Fettnekrose: Wenn Fett nicht anwächst, kann es sich in kleinen, mit Öl gefüllten Zysten oder in einer festen Stelle (Fettnekrose) sammeln. Diese sind meist harmlos, können aber tastbar sein.
Verkalkungen: Nach dem Eingriff können kleine Verkalkungen in der Mammographie sichtbar werden. Erfahrene Radiologen können sie in der Regel zuverlässig von verdächtigen Verkalkungen unterscheiden. Sagen Sie bei jeder Untersuchung, dass Sie ein Lipofilling hatten.
Ungleichmäßige Aufnahme: Das Fett wächst nicht überall gleich gut an. Dann bleibt eine kleine Unebenheit, oder die Delle ist nur teilweise gefüllt.
Begrenztes Volumen pro Sitzung: Zu viel Fett auf einmal wächst schlecht an. Große Defekte brauchen deshalb mehrere Sitzungen oder eine andere Methode.
Entnahmestellen: Blutergüsse und Schwellungen sind normal. Bei sehr schlanken Frauen können leichte Konturveränderungen sichtbar bleiben.
Misslungenes Lipofilling: was dann?
Manchmal ist das Ergebnis nach einer Sitzung nicht wie erhofft. Das Fett ist teilweise abgebaut, die Delle ist noch sichtbar, oder es hat sich eine Verhärtung gebildet. Das ist kein Grund zur Sorge. Warten Sie zunächst ab, bis das Gewebe zur Ruhe gekommen ist, meist drei bis sechs Monate.
Danach gibt es mehrere Wege. Eine weitere Sitzung kann fehlendes Volumen ergänzen. Eine tastbare Ölzyste kann punktiert oder ein kleiner fester Knoten entfernt werden. Jeder neue Knoten in der Brust sollte jedoch immer abgeklärt werden, auch nach einem Lipofilling. Sprechen Sie offen mit Ihrem Behandlungsteam darüber, was Sie stört. Gemeinsam finden Sie den passenden nächsten Schritt.
Kompletter Brustaufbau mit Eigenfett
Dieser Artikel beschreibt Lipofilling bei kleinen Defekten. Eigenfett kann aber auch mehr: Bei geeigneten Frauen lässt sich nach einer Brustentfernung (Mastektomie) eine ganze Brust nur aus eigenem Fett aufbauen, ohne Implantat. Dafür sind mehrere Sitzungen über ein bis zwei Jahre nötig, manchmal mit einer äußeren Vorexpansion. Mehr dazu lesen Sie im Artikel Brustaufbau mit Eigenfett nach Mastektomie.
Häufig gestellte Fragen
Was ist eine Eigenfetttransplantation?
Bei einer Eigenfetttransplantation (Lipofilling) wird eigenes Fett am Bauch oder Oberschenkel abgesaugt, gereinigt und in die Brust gespritzt. So werden kleine Dellen oder Unebenheiten aufgefüllt. Es wird nur körpereigenes Gewebe verwendet.
Ist Lipofilling der Brust nach Bestrahlung sicher?
Ja, Lipofilling gilt nach einer Bestrahlung als sicher. Die Stammzellen im Fett können bestrahltes Gewebe sogar weicher machen. Der Eingriff sollte aber erst sechs bis zwölf Monate nach Abschluss der Bestrahlung erfolgen.
Wie viele Sitzungen Lipofilling sind nötig?
Für eine kleine Delle reicht oft eine Sitzung. Bei größeren Korrekturen sind meist zwei bis drei Sitzungen im Abstand von drei bis sechs Monaten nötig. Bestrahltes Gewebe braucht eher mehrere kleine Schritte.
Hilft Eigenfett bei Fibrose der Brust nach Bestrahlung?
Lipofilling kann verhärtetes Gewebe nach Bestrahlung weicher und elastischer machen. Das liegt an regenerativen Stammzellen im Fett, die die Durchblutung fördern. Ob Ihr Gewebe dafür geeignet ist, beurteilt Ihr Behandlungsteam.
Ist ein Brustaufbau mit Eigenfett nach Mastektomie möglich?
Ja, bei geeigneten Frauen kann eine ganze Brust nur aus eigenem Fett aufgebaut werden. Das braucht mehrere Sitzungen über ein bis zwei Jahre und genügend Spenderfett. Mehr dazu lesen Sie im Artikel über den kompletten Brustaufbau mit Eigenfett.
Beeinflusst Lipofilling die Mammographie?
Lipofilling kann gelegentlich kleine Verkalkungen verursachen, die auf der Mammographie sichtbar werden. Erfahrene Radiologen können diese in der Regel zuverlässig von verdächtigen Verkalkungen unterscheiden. Geben Sie deshalb frühere Lipofilling-Eingriffe immer an.
Wie lange hält das Ergebnis der Eigenfetttransplantation?
Fett, das angewachsen ist, bleibt dauerhaft erhalten. Es verhält sich wie normales Körperfett und verändert sich bei Gewichtsschwankungen mit. Das endgültige Ergebnis sehen Sie nach etwa drei bis sechs Monaten.
Kann man eine Hängebrust mit Implantat mit Eigenfett auffüllen?
Eigenfett kann die Übergänge um ein Implantat weicher machen und kleine Dellen oder Wellen (Rippling) ausgleichen. Eine erschlaffte Brust kann es aber nicht anheben. Dafür sind meist eine Straffung oder ein Implantatwechsel nötig. Besprechen Sie mit Ihrem Chirurgen, welche Kombination zu Ihnen passt.
Fragen an Ihre Chirurgin oder Ihren Chirurgen
Ist meine Delle für Lipofilling geeignet, oder wäre eine andere Methode besser?
Wie viele Sitzungen erwarten Sie in meinem Fall?
Habe ich genug Spenderfett, und wo würden Sie es entnehmen?
Wie wirkt sich mein bestrahltes Gewebe auf das Ergebnis aus?
Was passiert, wenn das Fett nicht gut anwächst?
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Quellen und weiterführende Informationen
Medizinisch geprüft von Dr. Mahyar Foumani am 31.07.2026. Redaktionell aktualisiert am 11.09.2026.
Verfasst von Dr. Mahyar Foumani, Facharzt für plastische und rekonstruktive Chirurgie mit Spezialisierung auf Brustrekonstruktion. Basierend auf dem Buch 'Brustrekonstruktion verständlich erklärt.'
Dieser Artikel dient der Aufklärung und ist kein ärztlicher Rat
Dieser Artikel erklärt mit einfachen Worten, wie eine Brustrekonstruktion abläuft. Er soll Ihnen helfen zu verstehen, was möglich ist, damit Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt eine gute Entscheidung treffen können. Er ersetzt keine persönliche ärztliche Beratung.
Jede Situation ist anders. Was für Sie am besten ist, hängt von Ihrem Körper, Ihrer Erkrankung, Ihrer Behandlung und Ihren eigenen Wünschen ab. Folgen Sie deshalb immer dem Rat Ihres eigenen Behandlungsteams. Haben Sie Beschwerden oder sind Sie unsicher? Dann wenden Sie sich an Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Hausarztpraxis. Im Notfall wählen Sie die Notrufnummer Ihres Landes (in Deutschland und Österreich die 112, in der Schweiz die 144).
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