top of page

BRCA-Genmutation und vorbeugende Brustamputation: Ihre Möglichkeiten für eine Brustrekonstruktion

Aktualisiert: 18. Mai

Die Diagnose, Trägerin einer BRCA1- oder BRCA2-Genmutation zu sein, ist ein einschneidender Moment im Leben. Diese genetischen Mutationen erhöhen das Lebenszeitrisiko für Brustkrebs erheblich — 55 bis 72 Prozent bei BRCA1-Trägerinnen und 45 bis 69 Prozent bei BRCA2-Trägerinnen. Für viele Frauen, die mit dieser Realität konfrontiert sind, bietet die vorbeugende (prophylaktische) Brustamputation — die Entfernung beider Brüste, bevor Krebs entstehen kann — eine wirkungsvolle Möglichkeit, die Kontrolle über die eigene Gesundheit zurückzugewinnen. Diese Entscheidung umfasst jedoch weit mehr als nur den chirurgischen Eingriff.

Was ist eine BRCA-Genmutation?

Die BRCA1- und BRCA2-Gene sind Tumorsuppressorgene, die bei der Reparatur geschädigter DNA in den Zellen mitwirken. Trägt eines dieser Gene eine schädliche Mutation, ist dieser Reparaturmechanismus beeinträchtigt — das Risiko für Brust- und Eierstockkrebs steigt dadurch deutlich. Während Brustkrebs etwa eine von acht Frauen in der Allgemeinbevölkerung betrifft, liegt das Lebenszeitrisiko bei BRCA1-Trägerinnen bei 55 bis 72 Prozent und bei BRCA2-Trägerinnen bei 45 bis 69 Prozent.

Ein Gentest wird in der Regel empfohlen bei einer ausgeprägten Familiengeschichte mit Brust- oder Eierstockkrebs, bei einem bekannten Familienmitglied mit einer BRCA-Mutation, bei Brustkrebs im Alter unter 50 Jahren oder bei einem Fall von männlichem Brustkrebs in der Familie.

Für wen kommt eine vorbeugende Brustamputation in Frage?

Eine vorbeugende Brustamputation ist nicht für jede Frau die richtige Wahl — es ist eine zutiefst persönliche Entscheidung. Studien zeigen, dass eine vorbeugende beidseitige Brustamputation das Brustkrebsrisiko bei BRCA-Trägerinnen um rund 90 bis 95 Prozent reduziert. Es gibt jedoch Alternativen — darunter eine intensivierte Vorsorge mit regelmäßigen MRT- und Mammographie-Kontrollen sowie risikomindernde Medikamente wie Tamoxifen.

Der Entscheidungsprozess

Die Entscheidung für oder gegen eine vorbeugende Brustamputation gehört zu den bedeutendsten medizinischen Entscheidungen, die eine Frau treffen kann. Anders als bei einer Krebsbehandlung, wo der Weg oft klarer vorgezeichnet ist, verlangt ein vorbeugender Eingriff, dass Sie statistisches Risiko gegen Lebensqualität, Körperbild und persönliche Werte abwägen. Viele Frauen beschreiben dabei einen Prozess der schrittweisen Klarheit. Eine einzig richtige Antwort gibt es nicht.

Rekonstruktionsmöglichkeiten nach einer vorbeugenden Brustamputation

Ein Vorteil der vorbeugenden Brustamputation: Weil kein Krebs vorliegt, steht Ihnen in der Regel das gesamte Spektrum der Rekonstruktionsoptionen offen. Die implantatbasierte Rekonstruktion arbeitet mit einem Gewebeexpander, der später durch ein dauerhaftes Silikon- oder Kochsalzimplantat ersetzt wird. Die autologe Rekonstruktion (mit Eigengewebe) nutzt körpereigenes Gewebe aus einer anderen Region — häufig vom Bauch (DIEP-Lappen), vom Rücken (LD-Lappen) oder von den Oberschenkeln. Weil bei einer vorbeugenden Brustamputation keine Bestrahlung nötig ist, wird die autologe Rekonstruktion häufiger empfohlen — die Ergebnisse werden nicht durch strahlenbedingte Gewebeveränderungen beeinträchtigt.

Die seelische Dimension

Die emotionale Reise rund um eine vorbeugende Brustamputation ist vielschichtig und zutiefst persönlich. Viele Frauen beschreiben ein Paradox: Der Eingriff bringt enorme Entlastung von der ständigen Krebsangst — gleichzeitig ist er mit Trauer über den Verlust eines gesunden Körperteils verbunden. Eine psychologische Begleitung vor und nach der Operation kann hier außergewöhnlich hilfreich sein.

Häufig gestellte Fragen

Bedeutet eine BRCA-Mutation, dass ich mit Sicherheit Brustkrebs bekomme?

Nein. Eine BRCA-Mutation erhöht Ihr Risiko erheblich — sie garantiert aber nicht, dass Sie an Brustkrebs erkranken. Das Lebenszeitrisiko beträgt 55 bis 72 Prozent bei BRCA1-Trägerinnen und 45 bis 69 Prozent bei BRCA2-Trägerinnen.

Kann ich auch ohne Rekonstruktion bleiben?

Selbstverständlich. Flach zu leben — bewusst auf eine Brustrekonstruktion zu verzichten — ist eine ebenso legitime und zunehmend anerkannte Wahl.

Wird die vorbeugende Brustamputation von der Krankenkasse übernommen?

In den meisten Ländern mit öffentlichem Gesundheitssystem wird die vorbeugende Brustamputation für bestätigte BRCA-Trägerinnen als medizinisch begründete Präventivmaßnahme übernommen. Auch die anschließende Rekonstruktion wird in der Regel erstattet.

Welche Rekonstruktionsmethode passt am besten nach einer vorbeugenden Brustamputation?

Es gibt nicht die eine beste Methode. Die autologe Rekonstruktion — insbesondere der DIEP-Lappen — wird häufig empfohlen, da das Fehlen einer Bestrahlung optimale Ergebnisse ermöglicht. Eine implantatbasierte Rekonstruktion ist aber ebenso eine gute Wahl.

Sollten auch meine Eierstöcke entfernt werden?

BRCA-Mutationen erhöhen auch das Risiko für Eierstockkrebs. Viele Fachärzte empfehlen daher eine risikoreduzierende Salpingo-Oophorektomie nach abgeschlossener Familienplanung — typischerweise zwischen dem 35. und 45. Lebensjahr.

Verfasst von Dr. Mahyar Foumani, Facharzt für plastische und rekonstruktive Chirurgie mit Spezialisierung auf Brustrekonstruktion. Basierend auf dem Buch 'Brustrekonstruktion Erklärt.'

Kommentare


bottom of page