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DIEP-Lappen-Brustrekonstruktion

DIEP-Lappen-Brustrekonstruktion mit eigenem Bauchgewebe

Kurz erklärt: Bei der DIEP-Lappen-Brustrekonstruktion wird Haut- und Fettgewebe vom Unterbauch verwendet, um nach einer Mastektomie eine neue Brust zu formen. Die geraden Bauchmuskeln bleiben erhalten. Nur die kleinen Blutgefäße, die das Gewebe versorgen, werden sorgfältig durch den Muskel verfolgt, durchtrennt und unter dem Operationsmikroskop an Gefäße im Brustkorb angeschlossen. So entsteht eine weiche, warme Brust aus körpereigenem, lebendem Gewebe.

Die Methode verbindet zwei Ziele: einen dauerhaften Brustaufbau ohne dauerhaftes Implantat und die Schonung der Bauchmuskulatur. Gleichzeitig handelt es sich um eine große mikrochirurgische Operation mit einer Narbe am Bauch, mehreren Wochen Erholung und einem kleinen, aber wichtigen Risiko für Durchblutungsstörungen des transplantierten Gewebes. Ob sie zu einer Patientin passt, hängt von der onkologischen Behandlung, der Gewebeverteilung, Voroperationen, Begleiterkrankungen und den persönlichen Prioritäten ab.

Diese Seite bietet eine ausführliche Orientierung für Menschen, die eine sofortige oder spätere Brustrekonstruktion erwägen. Sie ersetzt keine individuelle Beratung. Tumorentfernung und Krebstherapie haben Vorrang; Brustchirurgie, Onkologie und plastisch-rekonstruktive Chirurgie sollten die Planung gemeinsam abstimmen.

Was bedeutet DIEP?

DIEP steht für „Deep Inferior Epigastric Perforator“. Gemeint sind kleine Gefäßäste, die aus den tiefen unteren epigastrischen Gefäßen durch den Bauchmuskel zur Haut und zum Unterhautfett ziehen. Genau dieses Blutgefäßsystem ermöglicht es, Unterbauchgewebe zu entnehmen, ohne einen wesentlichen Anteil des geraden Bauchmuskels mitzunehmen.

Ältere TRAM-Techniken verwenden zusätzlich Muskel. Das kann in ausgewählten Situationen weiterhin sinnvoll sein, erhöht jedoch grundsätzlich den Eingriff an der Bauchwand. Beim DIEP-Lappen ist das Ziel, Muskel und möglichst viele motorische Nerven zu schonen. „Muskelschonend“ bedeutet allerdings nicht, dass der Bauch unberührt bleibt: Die Gefäße müssen durch oder zwischen Muskelfasern freipräpariert werden, und die vordere Muskelhülle wird geöffnet und wieder verschlossen.

Wie entsteht aus Bauchgewebe eine Brust?

Das Gewebe zwischen Nabel und Schambereich ähnelt in Konsistenz und Verhalten natürlichem Brustgewebe. Nach der Entnahme wird es am Brustkorb durchblutet, geformt und in die vorhandene Hauthülle eingesetzt. Bei einer haut- oder brustwarzenerhaltenden Mastektomie kann ein großer Teil der äußeren Brustform erhalten bleiben. Bei einer späteren Rekonstruktion wird häufig ein Teil der Bauchhaut sichtbar eingesetzt, um fehlende oder vernarbte Brusthaut zu ersetzen.

Die neue Brust verändert sich mit dem Körper. Bei deutlicher Gewichtszu- oder -abnahme kann sie größer oder kleiner werden. Sie altert natürlicher als ein Implantat und benötigt keinen routinemäßigen Austausch. Sie bleibt jedoch eine rekonstruierte Brust: Narben, verminderte Sensibilität, Formunterschiede und spätere Korrekturen sind möglich.

Der Operationsablauf

  1. Planung der Gefäße: Häufig zeigt eine CT- oder MR-Angiografie Lage, Größe und Verlauf geeigneter Perforatorgefäße. Das verkürzt nicht jede Operation, erleichtert aber die individuelle Strategie.

  2. Mastektomie oder Vorbereitung des Brustkorbs: Bei einem Sofortaufbau wird zunächst das Brustdrüsengewebe entfernt. Bei einer verzögerten Rekonstruktion werden Narben gelöst und die künftige Brusttasche vorbereitet.

  3. Präparation am Bauch: Haut und Fett werden ähnlich wie bei einer Bauchdeckenstraffung umschnitten. Die ausgewählten Gefäße werden unter Lupenvergrößerung durch die Muskelstruktur verfolgt.

  4. Mikrochirurgischer Anschluss: Am Brustkorb werden meist die inneren Brustgefäße vorbereitet. Arterie und Vene des Lappens werden mit sehr feinen Nähten oder einem venösen Kopplungssystem verbunden.

  5. Formgebung: Sobald eine stabile Durchblutung besteht, wird das Gewebe gefaltet und modelliert. Das Ziel ist nicht nur Volumen, sondern ein natürlicher Brustansatz, eine definierte Unterbrustfalte und eine passende Projektion.

  6. Bauchverschluss: Die Bauchwand wird sorgfältig verschlossen, überschüssige Haut entfernt und der Nabel neu positioniert. Drainagen können an Brust und Bauch erforderlich sein.

Bei beidseitiger Rekonstruktion wird das Bauchgewebe geteilt und an beiden Seiten angeschlossen. Die Operationsdauer hängt von Anatomie, Voroperationen, ein- oder beidseitigem Vorgehen und zusätzlichen Eingriffen ab. Verlässlicher als eine pauschale Stundenzahl ist die Erfahrung des jeweiligen Zentrums mit vergleichbaren Fällen.

Wer kommt für einen DIEP-Lappen infrage?

Günstig sind ausreichend Haut und Fett am Unterbauch, ein realistisches Größenwunschbild und eine gesundheitliche Situation, die eine längere Operation erlaubt. Der DIEP-Lappen kann nach therapeutischer oder risikoreduzierender Mastektomie, ein- oder beidseitig, sofort oder verzögert durchgeführt werden. Er ist besonders interessant für Patientinnen, die ein dauerhaftes Implantat vermeiden möchten oder nach Bestrahlung, Kapselfibrose beziehungsweise Implantatverlust gesundes Gewebe in den Brustbereich bringen wollen.

Sehr schlanke Patientinnen haben möglicherweise zu wenig Bauchgewebe. Eine frühere Bauchdeckenstraffung schließt den DIEP-Lappen meist aus, weil das benötigte Gefäßsystem durchtrennt sein kann. Andere Bauchoperationen, etwa ein Kaiserschnitt, bedeuten dagegen nicht automatisch, dass die Methode unmöglich ist. Bildgebung und Untersuchung zeigen, welche Gefäße und Narben relevant sind.

Aktives Rauchen, schlecht eingestellter Diabetes, schwere Gefäßerkrankungen oder ein sehr hohes Narkoserisiko erhöhen Komplikationen. Eine individuelle Risikoreduktion kann wichtiger sein als die schnelle Festlegung auf eine bestimmte Technik.

DIEP-Lappen und Bestrahlung

Wenn eine Bestrahlung sicher geplant ist, kann ein verzögerter Eigengewebsaufbau Vorteile haben, weil das endgültige Gewebe nicht bestrahlt wird. Dennoch ist auch eine sofortige Rekonstruktion in ausgewählten Situationen möglich. Die aktuelle deutsche S3-Leitlinie betont, dass Zeitpunkt und Methode unter Berücksichtigung der onkologischen Situation und der individuellen Wünsche besprochen werden sollen.

Wird ein autolog rekonstruierter Brustaufbau bestrahlt, können Fettgewebsnekrosen, Verhärtung, Schrumpfung und ungünstigere patientenberichtete Ergebnisse häufiger auftreten. Umgekehrt kann ein später eingebrachter DIEP-Lappen bestrahlte, dünne oder schmerzhafte Haut durch gut durchblutetes Gewebe ersetzen. Es gibt deshalb keine Regel, die für jede Patientin gilt.

Vorteile

  • Weiche, körperwarme Brust aus eigenem Gewebe.

  • Kein dauerhaftes Implantat und keine implantatspezifische Kapselfibrose.

  • Erhalt des geraden Bauchmuskels im Vergleich zu muskelsacrificierenden Verfahren.

  • Gute Möglichkeit, bestrahlte oder vernarbte Brusthaut mit gesundem Gewebe zu ergänzen.

  • Langfristige Volumenstabilität ohne planmäßigen Implantatwechsel.

  • Gleichzeitige Straffung des Unterbauchs als Nebeneffekt – nicht als primärer Grund für die Krebsrekonstruktion.

Nachteile und Grenzen

Der Eingriff ist länger und technisch anspruchsvoller als ein reiner Implantataufbau. Es entstehen Operationsstellen an Brust und Bauch. Die Erholung umfasst die Heilung beider Regionen, und die Patientin muss in den ersten Wochen die Bauchdecke schonen. Ein DIEP-Lappen ist außerdem nur dort verfügbar, wo ein erfahrenes mikrochirurgisches Team und eine strukturierte Nachüberwachung vorhanden sind.

Die spätere Bauchform ist nicht garantiert kosmetisch perfekt. Mögliche Folgen sind Serom, Wundheilungsstörung, Asymmetrie, „Dog Ears“, Taubheitsgefühl, Bauchwandschwäche, Vorwölbung oder selten eine Hernie. An der Brust können Fettgewebsnekrose, Volumenverlust, Narbenzug oder eine unbefriedigende Form auftreten.

Durchblutungsstörung und Lappenverlust

In den ersten Tagen kontrolliert das Team Farbe, Temperatur und Blutfluss des Gewebes engmaschig. Eine Thrombose an der mikrochirurgischen Verbindung kann eine sofortige Revisionsoperation erfordern. Wird das Problem früh erkannt, lässt sich der Lappen häufig retten. Ein vollständiger Verlust ist in erfahrenen Zentren selten, aber er kann nicht ausgeschlossen werden und sollte vor der Operation einschließlich eines Ersatzplans besprochen werden.

Ein Teilverlust oder eine lokale Fettgewebsnekrose zeigt sich oft als feste Stelle. Nicht jeder Knoten ist harmlos; neue Veränderungen müssen im Rahmen der Brustkrebsnachsorge untersucht werden.

Erholung nach der Operation

Die ersten Tage dienen der Überwachung und Mobilisation. Patientinnen lernen, leicht gebeugt aufzustehen, Drainagen zu versorgen und Thrombosen durch Bewegung und gegebenenfalls Medikamente vorzubeugen. Der stationäre Aufenthalt und die lokalen Nachsorgeabläufe unterscheiden sich zwischen Zentren.

Zu Hause stehen Spaziergänge, Wundpflege und schrittweise Selbstständigkeit im Vordergrund. Schweres Heben, Bauchmuskeltraining und intensive sportliche Belastung werden zunächst vermieden. Viele Menschen benötigen mehrere Wochen, bis Alltag und Schreibtischarbeit wieder gut möglich sind; körperlich schwere Berufe brauchen meist länger. Die Brust ist anfangs geschwollen und formt sich über Monate weiter.

Spätere Korrekturen

Eine zweite, kleinere Operation ist nicht ungewöhnlich. Sie kann die Brustform mit Eigenfett verfeinern, Narben korrigieren, überschüssiges Gewebe am Bauch entfernen oder die Gegenseite angleichen. Brustwarzenrekonstruktion und medizinische Tätowierung werden meist erst geplant, wenn Volumen und Position stabil sind.

Korrekturen bedeuten nicht automatisch, dass die Hauptoperation misslungen ist. Ein großer Brustaufbau liefert die Grundlage; feine Symmetrie und Projektion lassen sich nach abgeschlossener Heilung präziser beurteilen.

DIEP-Lappen oder Implantat?

Ein Implantat erfordert keinen Baucheingriff, ist meist kürzer operiert und kann für sehr schlanke Patientinnen eine gute Wahl sein. Dafür bleibt ein Fremdkörper mit Risiken wie Infektion, Fehlposition, Ruptur und Kapselfibrose. Bestrahlung kann implantatbezogene Probleme verstärken.

Der DIEP-Lappen verlangt zunächst mehr Operation und Erholung, bietet dafür langfristig lebendes Gewebe. Die Frage lautet daher nicht „Welche Methode ist grundsätzlich besser?“, sondern „Welche Belastungen, Risiken und langfristigen Eigenschaften passen zu dieser Patientin und ihrer Krebstherapie?“

Fragen für das Beratungsgespräch

  • Wie viele DIEP-Lappen führt das Team regelmäßig durch?

  • Ist mein Bauchgewebe für die gewünschte Brustgröße ausreichend?

  • Welche Wirkung haben frühere Narben, Rauchen, Diabetes oder Gefäßerkrankungen?

  • Ist eine sofortige, verzögerte oder „delayed-immediate“ Rekonstruktion sinnvoll?

  • Wie lautet der Plan, falls der Lappen nicht ausreichend durchblutet wird?

  • Welche Narben, Sensibilitätsveränderungen und spätere Korrekturen sind realistisch?

  • Wie wird die Nachsorge mit meinem Brustzentrum koordiniert?

Häufige Fragen

Bleibt der Bauchmuskel wirklich erhalten?

Ja, das Ziel des DIEP-Lappens ist die Erhaltung des Muskels. Für die Gefäßpräparation wird seine Hülle geöffnet und zwischen Muskelfasern gearbeitet. Deshalb kann es trotzdem zu Schmerzen, Schwäche oder selten einer Bauchwandschwäche kommen.

Fühlt sich die neue Brust natürlich an?

Das Gewebe ist meist weich und körperwarm und bewegt sich natürlicher als ein Implantat. Die Hautsensibilität ist nach Mastektomie jedoch reduziert. Eine spontane oder nervenchirurgisch unterstützte Gefühlsrückkehr ist möglich, aber nicht garantiert.

Muss ein DIEP-Lappen später ersetzt werden?

Nein. Erfolgreich eingeheiltes Gewebe bleibt Teil des Körpers. Spätere Korrekturen können sinnvoll sein, ein routinemäßiger Austausch wie bei einem technischen Medizinprodukt ist aber nicht erforderlich.

Kann ich nach einem Kaiserschnitt einen DIEP-Lappen bekommen?

Oft ja. Verlauf und Durchblutung müssen individuell geprüft werden. Eine frühere Bauchdeckenstraffung ist meist wesentlich problematischer als ein quer verlaufender Kaiserschnitt.

Ist DIEP auch nach Implantatkomplikationen möglich?

Ja. Ein Implantat kann entfernt und durch Eigengewebe ersetzt werden. Bei bestrahlter Haut oder Kapselfibrose ist dies ein häufiger Grund für eine sekundäre autologe Rekonstruktion.

Quellen und medizinischer Rahmen

Weiterführende deutschsprachige Informationen bieten der Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums und die aktuelle S3-Leitlinie Mammakarzinom. Diese Seite ist unabhängig neu formuliert und orientiert sich zusätzlich an der klinischen Aufklärungsarbeit von Dr. Mahyar Foumani.

Allgemeine Patienteninformation, aktualisiert am 15. Juli 2026. Sie ersetzt weder Untersuchung noch individuelle Operations- und Krebsberatung.

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