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Onkoplastische brusterhaltende Operation

Onkoplastische Rekonstruktion bei brusterhaltender Brustkrebsoperation

Kurz erklärt: Eine onkoplastische brusterhaltende Operation verbindet die vollständige Tumorentfernung mit einer unmittelbaren plastisch-rekonstruktiven Formung der Brust. Das entstandene Gewebedefizit wird durch Umverteilung des verbleibenden Brustgewebes oder durch einen lokalen Lappen, zum Beispiel einen LICAP-Lappen von der seitlichen Brustwand, aufgefüllt. Das Ziel ist nicht Kosmetik anstelle von Krebschirurgie, sondern eine sichere Resektion mit möglichst stabiler Brustform.

Je größer der entfernte Anteil im Verhältnis zur Brust, desto wahrscheinlicher sind Delle, Einziehung, Verschiebung der Brustwarze oder deutliche Asymmetrie. Eine Bestrahlung kann solche Veränderungen später verstärken. Onkoplastische Planung setzt deshalb bereits vor dem ersten Schnitt an: Tumorlage, Brustgröße, Haut, Durchblutung, geplantes Resektionsvolumen und die spätere Strahlentherapie werden gemeinsam betrachtet.

Diese Seite beschreibt direkte onkoplastische Verfahren, einschließlich volumenverlagernder Techniken und lokaler Perforatorlappen. Sie ersetzt keine individuelle Empfehlung. Die Entscheidung gehört in ein interdisziplinäres Brustzentrum, in dem onkologische Sicherheit, Pathologie, Radiologie und Rekonstruktion aufeinander abgestimmt sind.

Was bedeutet „onkoplastisch“?

Onkoplastik kombiniert onkologische und plastisch-chirurgische Prinzipien. Der Tumor wird mit dem erforderlichen Sicherheitsrand entfernt. Anschließend wird die entstandene Höhle so rekonstruiert, dass Kontur, Brustwarzenposition und Symmetrie möglichst erhalten bleiben. Der Begriff umfasst einfache lokale Gewebeverschiebungen ebenso wie Reduktionsmuster und perforatorbasierte Lappen.

Das Verfahren darf eine unvollständige Tumorentfernung niemals kaschieren. Das entfernte Präparat wird für die Pathologie eindeutig orientiert; Clipmarkierungen können das Tumorbett für die spätere Bestrahlungsplanung kennzeichnen. Werden in der endgültigen Untersuchung nicht freie Ränder festgestellt, kann eine Nachresektion oder Mastektomie notwendig sein.

Volumenverlagerung oder Volumenersatz?

Bei der Volumenverlagerung wird verbliebenes Brustgewebe gelöst und in den Defekt verschoben. Das eignet sich besonders bei mittelgroßen oder großen Brüsten mit genügend Restgewebe. Häufig wird die gesamte Brust nach einem Brustverkleinerungs- oder Straffungsmuster neu geformt. Die Gegenseite kann sofort oder später angeglichen werden.

Beim Volumenersatz wird Gewebe von außerhalb der Brust eingebracht. Lokale Perforatorlappen nutzen Haut und Fett von der seitlichen oder unteren Brustwand, ohne den großen Rückenmuskel zu opfern. Diese Strategie ist wertvoll bei kleineren Brüsten, wenn eine reine Gewebeverlagerung die Brust zu klein machen oder die Brustwarze stark verziehen würde.

Der LICAP-Lappen

LICAP steht für „lateral intercostal artery perforator“. Kleine Gefäße aus dem Zwischenrippenraum versorgen Haut und Fett an der seitlichen Brustwand. Der Chirurg präpariert einen Gewebelappen auf einem oder mehreren dieser Gefäße, schwenkt ihn in den Defekt und lässt den Latissimus-dorsi-Muskel intakt.

Der LICAP-Lappen eignet sich besonders für Defekte im äußeren und unteren äußeren Brustbereich. Die Entnahmestelle liegt seitlich entlang der BH-Linie und kann bei vorhandener Gewebereserve zugleich die seitliche Kontur glätten. Volumen und Reichweite sind begrenzt; für innere Brustdefekte können andere Perforatorlappen, beispielsweise AICAP- oder MICAP-Varianten, besser geeignet sein.

Wie läuft die Operation ab?

  1. Markierung im Stehen: Brustform, Tumorprojektion, Hautmuster und mögliche Lappenentnahmestelle werden eingezeichnet.

  2. Tumorentfernung: Das onkologische Team entfernt den Tumor mit geplantem Rand und führt bei Bedarf eine Sentinel-Lymphknotenoperation durch.

  3. Orientierung des Präparats: Markierungen helfen der Pathologie, jeden Rand eindeutig zuzuordnen. Das ist besonders wichtig, weil das Brustgewebe anschließend verschoben wird.

  4. Clipmarkierung: Das Tumorbett kann für Strahlentherapie und spätere Bildgebung markiert werden.

  5. Rekonstruktion: Brustgewebe wird mobilisiert oder ein lokaler Lappen auf seinem Gefäßstiel in den Defekt geschwenkt.

  6. Form- und Durchblutungskontrolle: Spannung, Brustwarzenposition und Hautdurchblutung werden geprüft; anschließend erfolgen Verschluss und gegebenenfalls Drainage.

Welche Defekte profitieren besonders?

Entscheidend ist nicht nur die absolute Gewebemenge. Eine kleine Resektion direkt hinter der Brustwarze oder am unteren Pol kann sichtbarer sein als ein größeres Volumen im oberen äußeren Quadranten. Auch das Verhältnis von Tumorvolumen zu Brustvolumen, Hautelastizität und die Länge des Resektionswegs beeinflussen das Ergebnis.

Eine sofortige onkoplastische Rekonstruktion ist besonders sinnvoll, wenn vor der Operation eine deutliche Einziehung zu erwarten ist. Nach abgeschlossener Bestrahlung wird das Gewebe fester und weniger verschieblich; dieselbe Korrektur kann dann schwieriger werden. Eine spätere Rekonstruktion bleibt möglich, erfordert aber häufiger Eigenfett oder einen gut durchbluteten Lappen.

Onkoplastische Brustverkleinerung

Bei größeren oder hängenden Brüsten kann die Tumorentfernung in ein Reduktionsmuster integriert werden. Die Brust wird verkleinert und gestrafft, während die Brustwarze an einem sicheren Gewebestiel in eine neue Position gebracht wird. Das entfernte Tumorgebiet muss mit dem plastischen Plan exakt koordiniert sein.

Die Gegenseite kann zur Symmetrie verkleinert werden. Ein einzeitiges Vorgehen bietet frühe Balance, doch die operierte Brust kann sich durch Bestrahlung später stärker zusammenziehen. Deshalb wählen manche Teams eine spätere Angleichung.

Onkologische Sicherheit

Onkoplastische Techniken sollen eine ausreichend weite Resektion ermöglichen, ohne die Form unnötig zu opfern. Entscheidend bleiben freie Schnittränder und die korrekte weitere Krebstherapie. Die Rekonstruktion verändert nicht die biologische Notwendigkeit einer Strahlentherapie nach brusterhaltender Operation.

Wenn die endgültige Pathologie Tumor am Rand zeigt, wird die Situation neu besprochen. Durch die Gewebeverschiebung kann eine gezielte Nachresektion komplexer sein. Gute Dokumentation, Orientierung und Clipmarkierung sind daher keine Details, sondern Teil der onkologischen Qualität.

Bestrahlung nach Onkoplastik

Die meisten Patientinnen erhalten nach brusterhaltender Operation eine Bestrahlung. Sie senkt das Risiko eines lokalen Wiederauftretens, kann aber Schwellung, Rötung, Verhärtung, Volumenverlust und Schrumpfung verursachen. Das endgültige kosmetische Ergebnis wird deshalb erst Monate nach Abschluss der Bestrahlung beurteilt.

Nach einer größeren Gewebeverlagerung ist das ursprüngliche Tumorbett nicht mehr allein anhand der Narbe erkennbar. Operationsbericht und Clips helfen der Radioonkologie bei der Zieldefinition. Der rekonstruktive und strahlentherapeutische Plan sollten vor der Operation miteinander kompatibel sein.

Vorteile

  • Tumorentfernung und Formkorrektur in derselben Operation.

  • Möglichkeit größerer Resektionen bei Erhalt der Brust.

  • Weniger Risiko einer ausgeprägten Delle oder Brustwarzenverziehung.

  • Lokale Perforatorlappen erhalten die großen Muskeln.

  • Bei Reduktionsmustern können schwere, symptomatische Brüste gleichzeitig verkleinert werden.

Risiken und Grenzen

Mögliche Komplikationen sind Nachblutung, Infektion, Serom, Wundöffnung, Fettgewebsnekrose, verzögerte Heilung und Sensibilitätsverlust. Bei Reduktionsmustern kann die Durchblutung der Brustwarze beeinträchtigt sein. Ein Perforatorlappen kann teilweise oder vollständig Durchblutung verlieren, auch wenn dies bei korrekter Planung selten ist.

Die endgültige Form kann asymmetrisch bleiben oder sich durch Bestrahlung verändern. Weitere Eingriffe wie Eigenfett, Narbenkorrektur oder Angleichung der Gegenseite können sinnvoll sein. Nicht jeder große Tumor lässt sich brusterhaltend sicher entfernen; eine Mastektomie kann onkologisch oder anatomisch die bessere Option sein.

Erholung

Der Heilungsverlauf hängt davon ab, ob nur Gewebe verschoben, eine Reduktion durchgeführt oder ein Perforatorlappen entnommen wurde. Schulterbewegung, Drainagen und Wundpflege werden individuell angeleitet. Leichte Aktivität beginnt früh, während Sport und schweres Heben bis zur stabilen Wundheilung warten.

Schwellung und blaue Flecken verändern die Brust zunächst deutlich. Die Pathologie wird meist innerhalb der lokalen Abläufe besprochen. Erst wenn Ränder und weitere Therapie geklärt sind, steht fest, ob der onkoplastische Eingriff die definitive Operation war.

Spätere Korrektur eines Teildefekts

Eigenfett eignet sich für kleine Dellen, unruhige Übergänge und dünne Narbenbereiche. Größere Defekte oder stark bestrahltes Gewebe können einen lokalen Lappen benötigen. Eine Korrektur wird erst geplant, wenn neue oder unklare Befunde untersucht und die onkologische Nachsorge aktuell sind.

Häufige Fragen

Ist Onkoplastik nur eine Schönheitsoperation?

Nein. Sie ist Teil einer krebschirurgischen Strategie. Die Tumorentfernung und freie Ränder stehen an erster Stelle; plastische Techniken reduzieren die Formschäden einer notwendigen Resektion.

Wann wird ein LICAP-Lappen verwendet?

Typisch sind äußere oder untere äußere Defekte, wenn Gewebe aus der seitlichen Brustwand gut erreichbar ist. Tumorlage, Brustgröße und vorhandenes Seitengewebe bestimmen die Eignung.

Bleibt der Rückenmuskel beim LICAP erhalten?

Ja. Der Lappen beruht auf kleinen Perforatorgefäßen und verwendet nicht den Latissimus-dorsi-Muskel. Eine Narbe und Beschwerden an der seitlichen Entnahmestelle bleiben dennoch möglich.

Brauche ich danach trotzdem Bestrahlung?

In den meisten Fällen ja. Onkoplastik ersetzt die nach brusterhaltender Krebsoperation empfohlene Strahlentherapie nicht.

Kann die andere Brust angeglichen werden?

Ja. Eine Verkleinerung oder Straffung kann gleichzeitig oder später erfolgen. Das Timing berücksichtigt mögliche bestrahlungsbedingte Formänderungen.

Fragen für die interdisziplinäre Beratung

  • Wie groß ist das geplante Resektionsvolumen im Verhältnis zu meiner Brust?

  • Ist Volumenverlagerung oder ein lokaler Lappen sinnvoller?

  • Welche Lappenoption passt zur Tumorlage?

  • Wie werden Präparat und Tumorbett für Pathologie und Bestrahlung markiert?

  • Was geschieht, wenn die Schnittränder nicht frei sind?

  • Soll die Gegenseite sofort oder nach der Bestrahlung angeglichen werden?

  • Welche späteren Formänderungen sind realistisch?

Quellen und medizinischer Rahmen

Grundinformationen zur brusterhaltenden Operation bietet der Krebsinformationsdienst des DKFZ. Die onkologische Einordnung folgt der S3-Leitlinie Mammakarzinom. Der auf dieser Seite eingebundene LICAP-Film veranschaulicht eine mögliche lokale Lappenrekonstruktion.

Allgemeine Patienteninformation, aktualisiert am 15. Juli 2026. Individuelle Tumorlage, Pathologie und Strahlentherapieplanung können nur im behandelnden Brustzentrum beurteilt werden.

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