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Vollständiger Brustaufbau mit Eigenfett

Vollständiger Brustaufbau mit Eigenfett

Kurz erklärt: Beim vollständigen Brustaufbau mit Eigenfett wird nach einer Mastektomie schrittweise eine Brust aus abgesaugtem körpereigenem Fett aufgebaut. Jede Operation fügt nur so viel Fett hinzu, wie die vorhandene Hauthülle sicher durchbluten kann. Deshalb ist die Methode kein einmaliger großer Volumentransfer, sondern eine geplante Serie ambulanter Eingriffe über viele Monate.

Der Vorteil liegt in weichem, lebendem Gewebe ohne dauerhaftes Implantat und ohne die lange Entnahmenarbe eines freien Lappens. Die Gegenleistung sind mehrere Narkosen, wiederholte Erholungsphasen, begrenzte Projektion und ein Ergebnis, das stärker von Fettangebot und Einheilrate abhängt.

Warum muss die Brust in Etappen entstehen?

Anders als ein DIEP-Lappen bringt transplantiertes Fett keine eigenen Gefäße mit. Jede Mikroportion benötigt unmittelbaren Kontakt zu gut durchblutetem Gewebe. Wird eine zu große Menge in eine enge Tasche eingebracht, steigt der Anteil, der zu Ölzyste oder Fettnekrose wird.

Nach einer Sitzung heilen überlebende Fettzellen ein und das Empfängergewebe gewinnt Volumen. Nach Monaten kann eine weitere Schicht aufgebaut werden. So entwickelt sich die Brust von einer flachen Hauthülle zu einem weichen Hügel mit zunehmend definierter Kontur.

Die Bedeutung der Hauthülle

Eine haut- oder brustwarzenerhaltende Mastektomie kann eine günstige äußere Form bewahren, sofern dies onkologisch sicher ist. Bei einer flachen, straffen oder bestrahlten Brustwand fehlt dagegen zunächst Raum. Narbenlösung, externe Expansion, ein temporärer Expander oder eine Kombination mit Goldilocks-Gewebe können Teil des Plans sein.

Entscheidend ist nicht nur, wie viel Fett vorhanden ist, sondern wie viel gesundes Empfängergewebe es aufnehmen kann. Eine dünne, schlecht durchblutete Hauttasche begrenzt jede Sitzung, selbst wenn an Bauch oder Hüften viel Fett verfügbar ist.

Woher stammt das Fett?

Typische Regionen sind Bauch, Flanken, Hüften und Oberschenkel. Da mehrere Sitzungen geplant werden, betrachtet der Chirurg die Spenderareale als begrenzte Ressource. Zu aggressive Entnahme beim ersten Eingriff kann später Dellen hinterlassen und die nächsten Stufen erschweren.

Sehr schlanke Patientinnen oder Menschen, die eine große beidseitige Brust wünschen, haben möglicherweise nicht genug Spenderfett. Eine kleinere Brust, ein Hybridaufbau mit Implantat oder ein Lappen können realistischer sein.

Ablauf einer Sitzung

  1. Brustform, Narben und Spenderregionen werden im Stehen markiert.

  2. Fett wird über kleine Schnitte mit schonenden Kanülen abgesaugt.

  3. Das Material wird von Flüssigkeit, Blut und freiem Öl gereinigt.

  4. Enge Narben werden bei Bedarf vorsichtig gelöst.

  5. Feine Fettfäden werden auf mehreren Ebenen verteilt.

  6. Nach Abklingen der Schwellung wird die nächste Stufe geplant.

Wie viele Operationen sind nötig?

Eine ehrliche Antwort ist eine Spannbreite, keine Garantie. Zielgröße, Hautqualität, Bestrahlung, ein- oder beidseitige Rekonstruktion, Spenderfett und individuelle Einheilung bestimmen die Zahl. Häufig sind mehrere Eingriffe erforderlich; der gesamte Weg kann ein Jahr oder länger dauern.

Jede Stufe ist auch ein Entscheidungspunkt. Wenn das Ergebnis bereits ausreichend ist, kann die Patientin auf weitere Eingriffe verzichten. Wenn Einheilung wiederholt schlecht ist oder Spenderstellen knapp werden, kann ein Wechsel zu einem anderen Verfahren sinnvoller sein.

Externe Expansion und temporäre Expander

Ein externes Unterdrucksystem kann die Haut vorübergehend dehnen und die Aufnahmefläche vergrößern. Es muss viele Stunden getragen werden und kann Druckstellen verursachen. Protokolle und Evidenz unterscheiden sich.

Ein innerer Gewebeexpander hält Raum, während schrittweise Fett ergänzt wird. Später wird das Gerät entfernt. Diese Strategie kann eine sehr enge Hauthülle vorbereiten, bringt aber vorübergehend implantatbezogene Risiken und zusätzliche Operationen mit sich.

Vorteile

  • Rekonstruktion mit eigenem, weichem Gewebe.

  • Kein dauerhaftes Implantat und keine Kapselfibrose.

  • Keine große freie Lappenoperation und keine Muskelentnahme.

  • Kleine Zugangsstellen statt einer langen Entnahmenarbe.

  • Schrittweise Anpassung von Form und Volumen.

Grenzen

Die Projektion ist häufig geringer als bei einem Implantat oder einem gut geformten DIEP-Lappen. Ein Teil jedes Transplantats wird resorbiert, und die Einheilung kann zwischen beiden Seiten variieren. Wiederholte Fettabsaugung kann Dellen, Asymmetrie und Taubheit an den Spenderstellen erzeugen.

Die Behandlung verteilt die Belastung auf mehrere kleinere Eingriffe, reduziert sie aber nicht auf null. Arbeitsausfall, Narkoserisiko, Fahrtwege und die psychische Belastung eines langen Prozesses gehören zur Entscheidung.

Bestrahlung

Bestrahltes Gewebe kann Fett schlechter aufnehmen und mehr Sitzungen benötigen. Zugleich wird Lipofilling häufig genutzt, um dünne und verhärtete Weichteile zu verbessern. Die Reihenfolge muss mit Onkologie und Radioonkologie abgestimmt werden. Ein Wiederaufbau darf notwendige Krebstherapie nicht verzögern.

Risiken und Nachsorge

Mögliche Komplikationen sind Infektion, Blutung, Wundheilungsstörung, Fettnekrose, Ölzysten, Verkalkungen, Unterkorrektur und Spenderstellenunregelmäßigkeiten. Selten treten Thrombose, Narkosekomplikationen oder eine Fettinjektion in ein Gefäß auf.

Gutartige Knoten nach Lipofilling können zusätzliche Bildgebung oder Biopsie auslösen. Jeder neue Befund wird nach onkologischen Standards beurteilt. Klinische Kohortendaten sind bezüglich Brustkrebsrezidiven beruhigend, ersetzen aber keine individuelle Bewertung von Tumorbiologie und Behandlungsphase.

Erholung nach jeder Stufe

Die Brust ist geschwollen, die abgesaugten Regionen sind blau, empfindlich und fühlen sich wie ein tiefer Muskelkater an. Kompressionskleidung wird an den Spenderstellen getragen; direkter Druck auf die neue Brust wird meist vermieden. Leichte Bewegung beginnt früh.

Viele Patientinnen können nach ein bis zwei Wochen leichte Arbeit aufnehmen, abhängig von Entnahmemenge und Beruf. Das endgültige Volumen wird erst nach mehreren Monaten beurteilt. Gewichtsstabilität verbessert die Planbarkeit, weil eingeheiltes Fett mit dem Körper zu- oder abnimmt.

Vergleich mit anderen Methoden

Ein Implantat erzeugt Volumen schneller und funktioniert auch bei wenig Spenderfett, bleibt aber ein Medizinprodukt. Ein DIEP-Lappen bringt in einer großen Operation mehr Gewebe mit eigener Blutversorgung und oft stärkere Projektion. Eine Goldilocks-Rekonstruktion nutzt lokales Gewebe als kleine Basis, die später mit Fett erweitert werden kann.

Häufige Fragen

Kann eine ganze Brust wirklich nur aus Fett entstehen?

Ja, bei sorgfältig ausgewählten Patientinnen mit geeigneter Hauthülle, ausreichendem Spenderfett und moderatem Größenziel. Sie entsteht schrittweise und nicht durch eine einmalige große Injektion.

Wie viel Fett bleibt erhalten?

Die Einheilrate variiert. Technik, Durchblutung, Rauchen, Bestrahlung und Volumen pro Sitzung spielen eine Rolle. Eine Studienprozentzahl kann die einzelne Patientin nicht vorhersagen.

Ist das Ergebnis dauerhaft?

Eingeheiltes Fett bleibt lebendes Gewebe. Es kann sich bei deutlicher Gewichtsänderung vergrößern oder verkleinern. Ein Teil des ursprünglichen Injektionsvolumens geht früh verloren.

Ist die Methode besser als ein DIEP-Lappen?

Nicht grundsätzlich. Sie vermeidet eine große Operation, erfordert dafür mehrere Stufen und liefert häufig weniger Projektion. Die bessere Methode ist diejenige, deren Belastung und Ergebnis zu Anatomie und Prioritäten passen.

Was geschieht, wenn das Zielvolumen nicht erreicht wird?

Die Patientin kann eine kleinere Brust akzeptieren, eine Teilprothese tragen oder zu Implantat, Hybridrekonstruktion beziehungsweise Lappen wechseln. Dieser Ersatzplan sollte vor der ersten Sitzung besprochen werden.

Quellen und medizinischer Rahmen

Grundlagen zur Rekonstruktion mit Eigengewebe beschreibt der Krebsinformationsdienst des DKFZ. Zeitpunkt, Bestrahlung und individuelle Wahl orientieren sich an der S3-Leitlinie Mammakarzinom und der klinischen Aufklärungsarbeit von Dr. Foumani.

Allgemeine Patienteninformation, aktualisiert am 15. Juli 2026. Sie ersetzt keine persönliche Rekonstruktions- und Krebsberatung.

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