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Eigenfett bei Teildefekten der Brust

Eigenfett zur Korrektur von Teildefekten der Brust

Kurz erklärt: Beim Lipofilling wird Fett durch schonende Fettabsaugung gewonnen, aufbereitet und in vielen feinen Bahnen in eine Delle oder ein Volumendefizit der Brust eingebracht. Die Methode eignet sich besonders nach brusterhaltender Tumoroperation, Bestrahlung oder einer früheren Rekonstruktion. Sie verwendet körpereigenes Gewebe und hinterlässt nur kleine Zugangsstellen, kann aber mehrere Sitzungen erfordern.

Ein Teildefekt ist nicht immer nur eine „fehlende Menge“. Narben können Haut und Drüsengewebe nach innen ziehen, die Brustwarze verschieben oder den unteren Brustbogen unterbrechen. Bestrahlung macht Gewebe häufig fester und weniger elastisch. Erfolgreiche Korrektur bedeutet deshalb, Übergänge dreidimensional zu glätten und nicht einfach möglichst viel Fett in einen engen Raum zu spritzen.

Wie entsteht ein Defekt nach brusterhaltender Operation?

Bei einer Lumpektomie oder Segmentresektion wird der Tumor mit einem Sicherheitsrand entfernt. Die sichtbare Form hängt davon ab, wie viel Gewebe im Verhältnis zur Brust fehlt, an welcher Stelle es entfernt wurde und wie sich das verbleibende Gewebe beim Heilen verschiebt. Innere und untere Defekte fallen oft stärker auf als ein Defekt im oberen äußeren Bereich.

Nach der Bestrahlung können Volumenverlust, Verhärtung und Narbenzug über Monate zunehmen. Eine neue oder rasch zunehmende Einziehung, ein Knoten, Hautrötung oder anhaltender Schmerz muss zuerst onkologisch abgeklärt werden. Rekonstruktion beginnt erst, wenn die Veränderung verstanden und die Nachsorge aktuell ist.

Wie überlebt transplantiertes Fett?

Die abgesaugten Fettzellen werden ohne eigene Blutgefäße übertragen. Jede kleine Fettportion muss nahe an gut durchblutetem Empfängergewebe liegen, damit Sauerstoffdiffusion und anschließend neue Kapillaren ihr Überleben ermöglichen. Große Fettdepots in einer engen Höhle würden eher absterben und Ölzysten oder Fettgewebsnekrosen bilden.

Deshalb verwendet der Chirurg feine Kanülen und verteilt dünne Fäden auf mehreren Ebenen. Ein Teil der Zellen heilt dauerhaft ein, ein anderer Teil wird resorbiert. Frühe Schwellung täuscht mehr Volumen vor; das stabile Ergebnis ist erst nach einigen Monaten beurteilbar.

Der Ablauf

  1. Untersuchung und Bildgebung: Der Defekt wird im Stehen und Liegen beurteilt. Aktuelle Nachsorgebefunde müssen vorliegen.

  2. Auswahl der Entnahmestellen: Bauch, Flanken, Hüften oder Oberschenkel werden nach Fettangebot, Narben und gewünschter Kontur ausgewählt.

  3. Schonende Absaugung: Über kleine Zugänge wird Fett mit Kanülen entnommen.

  4. Aufbereitung: Flüssigkeit, Blut und freies Öl werden durch Filtern, Waschen, Dekantieren oder Zentrifugieren entfernt.

  5. Narbenlösung und Injektion: Straffe Bänder können vorsichtig gelöst werden. Das Fett wird in Mikroportionen um und in den Defekt verteilt.

  6. Schutz: Entnahmestellen werden komprimiert, direkter Druck auf die behandelte Brust meist vermieden.

Der Eingriff erfolgt häufig ambulant in Narkose oder tiefer Sedierung. Die Dauer hängt von Defektgröße, Zahl der Entnahmestellen und zusätzlicher Narbenkorrektur ab.

Der richtige Zeitpunkt nach Bestrahlung

Es gibt keinen universellen Wartezeitraum. Wunden müssen verheilt sein, die Krebstherapie soll in einer stabilen Phase sein und bestrahlungsbedingte Veränderungen sollten sich weitgehend gesetzt haben. Oft wird in Monaten statt Wochen geplant. Eine frühe Beratung ist trotzdem sinnvoll, um Optionen zu dokumentieren und die Behandlung mit dem Brustzentrum abzustimmen.

Einige Patientinnen berichten nach Lipofilling über weichere bestrahlte Haut. Forschung diskutiert mögliche Effekte zellreicher Fettbestandteile auf Fibrose. Das darf nicht als garantierte „Regeneration“ beworben werden. Der verlässlichere Zweck bleibt die Korrektur von Kontur und Gewebedeckung.

Welche Probleme lassen sich gut behandeln?

  • Kleine bis mittlere Dellen nach Tumorentfernung.

  • Ein abrupter Übergang neben einer Narbe.

  • Oberpoldefizit oder asymmetrische Brustkontur.

  • Dünne Weichteildeckung über einem Implantat.

  • Ausgewählte straffe Narbenbereiche nach Bestrahlung.

Grenzen des Lipofillings

Ein großer Segmentdefekt lässt sich nicht sicher in einer einzigen Sitzung auffüllen. Wenn die Brustwarze stark verlagert, die Unterbrustfalte zerstört oder ein großes Gewebesegment fehlt, kann ein LICAP-, AICAP- oder anderer lokaler Perforatorlappen berechenbarer sein. Bei einer insgesamt kleineren behandelten Brust kann eine Angleichung der Gegenseite dazugehören.

Sehr schlanke Patientinnen haben möglicherweise zu wenig Spenderfett. In stark vernarbtem und schlecht durchblutetem Gewebe kann wiederholtes Lipofilling ineffizient sein. Ein verantwortlicher Plan definiert daher, wann zu einer anderen Methode gewechselt wird.

Heilung

Die Entnahmestellen schmerzen oft mehr als die Brust und fühlen sich wie ein tiefer Bluterguss an. Schwellung, blaue Flecken, Taubheit und Spannungsgefühl sind üblich. Kompressionskleidung unterstützt die Fettabsaugungsareale; die Brust soll nur nach konkreter Anweisung komprimiert werden.

Leichte Bewegung beginnt sofort. Büroarbeit ist abhängig vom Umfang nach einigen Tagen bis etwa zwei Wochen möglich. Sport und schweres Heben werden schrittweise aufgenommen. Eine Entscheidung über die nächste Sitzung fällt meist erst, wenn das Volumen nach mehreren Monaten stabil ist.

Risiken und Bildgebung

Mögliche Komplikationen sind Blutung, Infektion, Wundheilungsstörung, Unterkorrektur, Asymmetrie, Dellen an der Entnahmestelle, Fettgewebsnekrose, Ölzysten und Verkalkungen. Diese Veränderungen sind häufig gutartig, können aber bei unklarem Befund Ultraschall, MRT oder Biopsie erforderlich machen.

Verfügbare klinische Daten zeigen bei angemessen ausgewählten Patientinnen keine erhöhte Brustkrebsrezidivrate durch autologe Fetttransplantation. Die individuelle Tumorbiologie, der Behandlungszeitpunkt und neue Symptome bleiben trotzdem entscheidend. Jede neue Verhärtung gehört untersucht und nicht selbst als „nur Fettnekrose“ eingeordnet.

Vergleich mit anderen Verfahren

Lokale Gewebeverlagerung nutzt die restliche Brust und ist besonders während der ursprünglichen Tumoroperation effektiv. Perforatorlappen bringen eine größere, stabil durchblutete Gewebemenge von der Brustwand. Onkoplastische Reduktion formt die gesamte Brust neu. Lipofilling ist am wenigsten invasiv, hat aber die größte Volumenbegrenzung und kann Wiederholungen erfordern.

Häufige Fragen

Wie viele Sitzungen brauche ich?

Ein kleiner Defekt kann nach einer Sitzung ausreichend verbessert sein. Bestrahltes Gewebe oder größere Dellen benötigen häufig zwei oder mehr Stufen. Eine feste Zahl vor der ersten Heilung ist unseriös.

Bleibt das Fett dauerhaft?

Die Zellen, die eine neue Blutversorgung entwickeln, bleiben lebendes Gewebe und reagieren auf Gewichtsveränderungen. Der nicht eingeheilte Anteil wird in den ersten Monaten abgebaut.

Ist Lipofilling eine Fettabsaugung zur Gewichtsabnahme?

Nein. Die Entnahme dient der Rekonstruktion. Sie kann Konturen verändern, ersetzt aber weder Gewichtsreduktion noch eine umfassende kosmetische Liposuktion.

Kann die Brust nach Lipofilling weiter mammografiert werden?

Ja. Radiologinnen kennen typische postoperative Veränderungen. Informieren Sie das Bildgebungsteam über Datum und Region der Fetttransplantation.

Kann Eigenfett eine stark verzogene Brustwarze korrigieren?

Es kann umliegendes Volumen verbessern, verschiebt eine deutlich fehlpositionierte Brustwarze aber nicht zuverlässig. Dafür können onkoplastische oder symmetrisierende Operationen nötig sein.

Quellen und medizinischer Rahmen

Die onkologische Reihenfolge orientiert sich an den Informationen des Krebsinformationsdienstes und der S3-Leitlinie Mammakarzinom. Grundlage ist außerdem Dr. Foumanis ausführliche Patienteninformation zu Lipofilling nach Lumpektomie und Bestrahlung.

Allgemeine Patienteninformation, aktualisiert am 15. Juli 2026. Sie ersetzt keine aktuelle Brustbildgebung oder individuelle Rekonstruktionsberatung.

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