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Frühe Komplikationen in den ersten zwei Wochen nach einer DIEP-Lappen-Brustrekonstruktion

Aktualisiert: 18. Mai


Die DIEP-Lappen-Brustrekonstruktion ist heute eines der modernsten Verfahren, um eine Brust mit körpereigenem Gewebe wieder aufzubauen. Sie gibt ein natürliches Ergebnis, das lange hält. Bei dieser Operation werden aber feine Blutgefäße unter dem Mikroskop verbunden (Mikrochirurgie), und es gibt zwei Wunden: an der Brust und am Bauch. Deshalb sind die ersten zwei Wochen besonders wichtig. Die meisten Frauen erholen sich ohne ernste Probleme. Wenn Sie wissen, welche Komplikationen früh auftreten können und woran Sie sie erkennen, gehen Sie ruhiger und sicherer durch diese Zeit.

In diesem Beitrag erklären wir die häufigsten Komplikationen in den ersten zwei Wochen nach einer DIEP-Lappen-Brustrekonstruktion. Sie erfahren, wie Ihr Behandlungsteam Sie überwacht und welche Warnzeichen Sie nach der Entlassung aus dem Krankenhaus kennen sollten.

Die ersten 72 Stunden: warum die Kontrolle so wichtig ist

Die ersten drei Tage nach der Operation sind für das verpflanzte Gewebe am wichtigsten. Der neue Gewebelappen wird nur durch die feinen Blutgefäße versorgt, die Ihr Chirurg unter dem Mikroskop verbunden hat. Wenn das Blut nicht gut hin- oder abfließt, kann der Lappen Schaden nehmen. Wird ein Problem schnell erkannt, lässt es sich aber meist gut behandeln.

Solange Sie im Krankenhaus sind, kontrolliert das Pflegeteam den Lappen sehr oft – in den ersten ein bis zwei Tagen manchmal jede Stunde. Geprüft werden Farbe, Wärme und Durchblutung des Gewebes. Oft wird dazu ein kleines Ultraschallgerät benutzt, mit dem man den Blutfluss hören kann (Doppler). Je früher ein Durchblutungsproblem auffällt, desto besser kann man den Lappen retten.

Probleme mit den Blutgefäßen: am dringendsten

Probleme mit den Blutgefäßen sind die ernstesten frühen Risiken nach einer DIEP-Operation. Es gibt drei Hauptformen.

  • Venöse Stauung: Das Blut fließt in den Lappen hinein, kann aber nicht gut wieder abfließen (venöse Stauung). Der Lappen schwillt an, wird dunkler und warm. Das kommt häufiger vor als ein Problem mit der Arterie. Wird es früh erkannt, lässt es sich oft mit einer Operation beheben.

  • Arterielle Thrombose: Hier ist die Arterie verschlossen, die den Lappen mit Blut versorgt (arterielle Thrombose). Der Lappen sieht blass aus und fühlt sich kühl an. Das ist seltener, muss aber sofort im Operationssaal behandelt werden.

  • Teilweiser oder vollständiger Lappenverlust: Wenn die Durchblutung nicht wiederhergestellt werden kann, überlebt ein Teil des Lappens nicht – im schlimmsten Fall der ganze Lappen. Ein vollständiger Verlust ist bei erfahrenen Chirurgen selten: Er kommt bei etwa 1 bis 5 von 100 Frauen vor. Das Risiko ist höher bei Rauchen, Diabetes (Zuckerkrankheit), einer früheren Bestrahlung, starkem Übergewicht und höherem Alter.

Wird ein Durchblutungsproblem festgestellt, kann eine schnelle Operation nötig sein – manchmal innerhalb weniger Stunden. Genau deshalb wird in den ersten Tagen so genau kontrolliert. Ihr Behandlungsteam bespricht schon vor der Operation einen Plan B mit Ihnen. Das ist meist ein Gewebeexpander (eine Art Platzhalter, der die Haut dehnt) oder ein Implantat, falls der Lappen nicht gerettet werden kann.

Blutungen und Bluterguss

Ein Hämatom ist eine Ansammlung von Blut im Gewebe (ein großer Bluterguss), meist im Bereich der Wunde. Kleine Blutergüsse verschwinden oft von selbst. Größere können auf die feinen Blutgefäße drücken, die den Lappen versorgen, und ihn so gefährden. Warnzeichen sind: schnelle Schwellung, stärker werdender Schmerz, Blaufärbung und eine feste Stelle unter der Haut. Tritt das in den ersten Tagen auf, muss der Bluterguss oft in einer kleinen Operation entlastet werden.

Manche Medikamente, Kräuter und Nahrungsergänzungsmittel erhöhen das Risiko für Blutungen. Sprechen Sie deshalb vor der Operation immer in Ruhe mit Ihrem plastischen Chirurgen darüber. Manchmal ist es sinnvoll, ein Mittel vorher kurz abzusetzen oder die Dosis anzupassen.

Serom (Ansammlung von Wundflüssigkeit)

Ein Serom ist eine Ansammlung von klarer, gelblicher Wundflüssigkeit unter der Haut. Sie kann am Bauch (wo das Gewebe entnommen wurde) oder an der neuen Brust auftreten. Kleine Serome sind normal und verschwinden meist von selbst. Größere müssen manchmal mit einer Nadel abgesaugt werden, oder die Wunddrainagen bleiben etwas länger liegen. Weil ein Serom eine Wundinfektion begünstigen kann, wird es immer ernst genommen.

Wundinfektion

Eine Infektion kann an der Brust- oder an der Bauchwunde entstehen. Zeichen sind: mehr Rötung, Wärme, Schwellung, Schmerz, Fieber oder Eiter aus der Wunde. Eine oberflächliche Infektion wird meist mit Antibiotika als Tabletten behandelt. Bei einer tieferen Infektion sind Antibiotika über die Vene (als Infusion) nötig, selten auch eine Reinigung der Wunde im Operationssaal. Wird eine Infektion früh erkannt und schnell behandelt, lassen sich größere Probleme fast immer vermeiden.

Wundheilungsstörungen und Absterben von Haut

Manchmal gehen die Wundränder wieder auf (Wunddehiszenz). Das kann am Bauch, an der Brust oder an beiden Stellen passieren. Das Risiko ist höher bei Rauchen, Diabetes, starkem Übergewicht, einer früheren Bestrahlung und wenn die Wunde unter Spannung steht. Kleine offene Stellen heilen oft mit guter Wundpflege. Größere brauchen manchmal eine erneute Naht. Seltener stirbt ein Stück Haut ab, weil es nicht genug Blut bekommt (Hautnekrose). Das betrifft eher die Ränder der alten Haut als den Lappen selbst.

Frühes Absterben von Fettgewebe (Fettnekrose)

Eine Fettnekrose entsteht, wenn ein Stück Fettgewebe im Lappen nicht genug Blut bekommt und abstirbt. In den ersten zwei Wochen kann sich das wie ein fester, manchmal empfindlicher Knoten in der neuen Brust anfühlen. Kleine Stellen werden über die Monate oft weicher und verschwinden. Größere Stellen brauchen später manchmal eine Behandlung: das Einbringen von körpereigenem Fett (Lipofilling), eine kleine Operation oder eine Untersuchung mit Bildern, um sicher zu sein, dass es kein anderer Befund ist. Häufiger ist eine Fettnekrose bei Raucherinnen und nach einer Bestrahlung.

Probleme an der Bauchwunde

Bei der DIEP-Operation bleiben die Bauchmuskeln erhalten. Deshalb ist das Risiko für einen Bauchwandbruch (Hernie) oder eine Vorwölbung viel kleiner als bei der älteren TRAM-Technik. Trotzdem können auch beim DIEP-Lappen früh Probleme an der Bauchwunde auftreten.

  • Abdominelles Serom: eine Ansammlung von Wundflüssigkeit am Bauch. Sie wird meist über Drainagen oder durch Absaugen behandelt.

  • Abdominelle Wunddehiszenz: vor allem in der Mitte der Naht, die von Hüfte zu Hüfte verläuft. Dort ist die Spannung am größten.

  • Hauttaubheit: Die meisten Frauen spüren den Unterbauch nach einem DIEP-Lappen eine Zeit lang weniger (Taubheitsgefühl). Das bessert sich nach und nach, verschwindet aber nicht immer ganz.

  • Bauchvorwölbung oder Bauchbruch (Hernie): Beim DIEP selten, aber möglich. Wenn er auftritt, kann später eine Operation nötig sein.

Komplikationen im ganzen Körper, die Sie kennen sollten

Eine DIEP-Operation dauert lange, und Sie liegen danach eine Weile viel. Dadurch gibt es einige Risiken für den ganzen Körper. Ihr Behandlungsteam achtet aktiv darauf und beugt ihnen vor.

  • Venöse Thromboembolie (VTE): ein Blutgerinnsel in einer tiefen Beinvene oder in der Lunge (Thrombose oder Lungenembolie). Vorbeugung: spezielle Druckmanschetten an den Beinen, blutverdünnende Spritzen und frühes Aufstehen.

  • Pneumonie oder Atelektase: Vorbeugung: frühes Aufstehen, tiefe Atemübungen und, wenn verordnet, ein kleines Atemtrainingsgerät.

  • Blutarmut (Anämie): Bei langen Operationen mit Mikrochirurgie verliert man etwas Blut – das ist normal. In seltenen Fällen ist eine Bluttransfusion nötig.

Warnzeichen, die Sie nach der Entlassung melden sollten

Meist werden Sie zwischen Tag 5 und Tag 7 aus dem Krankenhaus entlassen, sobald der Lappen stabil ist. Einige Komplikationen können aber auch später auftreten. Rufen Sie Ihr Behandlungsteam sofort an, wenn Sie eines dieser Zeichen bemerken:

  • Plötzliche Farbveränderung der rekonstruierten Brust (blass, blau oder sehr dunkel)

  • Schnell zunehmender Schmerz, Schwellung oder Bluterguss an Brust oder Bauch

  • Fieber

  • Unangenehm riechender Ausfluss, zunehmende Rötung oder Eiter an einer Wunde

  • Plötzliches Öffnen einer Wunde oder sichtbares Gewebe

  • Wadenschmerzen, Schwellung oder Druckempfindlichkeit (mögliche tiefe Venenthrombose)

  • Atemnot oder Brustschmerzen (mögliche Lungenembolie — rufen Sie sofort den Notruf 112 an)

Die meisten Frauen erholen sich ohne ernste Probleme

Diese Liste sieht lang aus. Trotzdem heilt die große Mehrheit der Frauen, die in einem erfahrenen Zentrum eine DIEP-Lappen-Brustrekonstruktion bekommen, ohne ernste Komplikationen. Wichtig sind drei Dinge: eine gute Kontrolle im Krankenhaus, gute Wundpflege zu Hause und ein schneller Anruf beim Behandlungsteam, sobald sich etwas anders anfühlt. Der DIEP-Lappen bleibt eine der zuverlässigsten Methoden mit sehr zufriedenen Patientinnen – gerade weil man die Risiken gut kennt und früh darauf reagiert.

Häufig gestellte Fragen

Wie wahrscheinlich ist ein Lappenverlust nach einer DIEP-Operation?

In erfahrenen Zentren für Mikrochirurgie geht der ganze Lappen nur bei etwa 1 bis 5 von 100 DIEP-Operationen verloren. Dass ein Teil des Lappens verloren geht, kommt etwas öfter vor, lässt sich aber meist gut behandeln. Das Risiko ist höher bei Rauchen, Diabetes, einer früheren Bestrahlung, starkem Übergewicht und höherem Alter.

Wie lange werde ich im Krankenhaus überwacht?

Die meisten Patientinnen bleiben nach einer DIEP-Lappen-Operation 5 bis 7 Tage im Krankenhaus. Die ersten 72 Stunden sind am wichtigsten. In dieser Zeit werden die Durchblutung des Lappens und Ihre Vitalwerte teils jede Stunde geprüft. Sobald der Lappen stabil ist, wird seltener kontrolliert.

Worin unterscheiden sich venöse Stauung und arterielles Problem?

Bei einer venösen Stauung kann das Blut nicht gut aus dem Lappen abfließen – der Lappen schwillt an und wird dunkler. Bei einem Arterien-Verschluss (arterielle Thrombose) kommt kein Blut mehr in den Lappen – er wird blass und kühl. Beide brauchen schnell eine Operation. Die venöse Stauung kommt insgesamt häufiger vor.

Wann sollte ich nach der Entlassung meinen Chirurgen anrufen?

Rufen Sie sofort an bei: einer plötzlichen Farbänderung der Brust, schnell zunehmendem Schmerz oder einer Schwellung, Fieber über 38,5 °C, riechendem Ausfluss, einer Wunde, die aufgeht, Schmerzen in der Wade oder Atemnot. Das können frühe Zeichen für Komplikationen sein, die schnell behandelt werden müssen.

Lässt sich eine Fettnekrose verhindern?

Ganz verhindern lässt sie sich nicht, aber das Risiko sinkt deutlich. Das Wichtigste ist: vor und nach der Operation nicht rauchen. Außerdem wählt Ihr Chirurg sorgfältig aus, welche Teile des Lappens gut durchblutet sind, und verwendet nur diese. Auch das senkt das Risiko für eine Fettnekrose.

Verfasst von Dr. Mahyar Foumani, Facharzt für plastische und rekonstruktive Chirurgie mit Spezialisierung auf Brustrekonstruktion. Basierend auf dem Buch 'Brustrekonstruktion Erklärt.'

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