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Ihr Weg zur Genesung: Wann kann die Brustrekonstruktion beginnen?

Aktualisiert: 18. Mai


Wann der richtige Zeitpunkt für eine Brustrekonstruktion gekommen ist, gehört zu den wichtigsten Entscheidungen, die im Laufe einer Brustkrebsbehandlung anstehen. Sie wirkt sich nicht nur auf Ihre körperliche Heilung aus, sondern ebenso auf Ihr seelisches Wohlbefinden und Ihre Lebensqualität. Wer die verschiedenen Möglichkeiten kennt, kann gemeinsam mit dem behandelnden Team eine fundierte Wahl treffen.

Dieser Beitrag stützt sich auf das Buch "Brustrekonstruktion Erklärt" von Dr. Foumani.

Primäre Rekonstruktion: Wiederaufbau während der Krebsoperation

Bei der primären Rekonstruktion erfolgt der Wiederaufbau noch während derselben Operation, in der die Mastektomie oder Lumpektomie durchgeführt wird. Der plastische Chirurg beginnt unmittelbar mit seiner Arbeit, sobald der Brustchirurg das Tumorgewebe entfernt hat — Sie wachen also mit einer bereits begonnenen oder abgeschlossenen Rekonstruktion auf.

Fällt die Entscheidung für eine primäre Rekonstruktion, arbeiten beide chirurgischen Teams in einem präzise aufeinander abgestimmten Ablauf zusammen. Zunächst entfernt der Brustchirurg im Rahmen der Mastektomie oder Lumpektomie das Tumorgewebe und erhält dabei so viel gesundes Brustgewebe wie möglich. Ist dieser onkologisch entscheidende Teil abgeschlossen, übernimmt der plastische Chirurg den rekonstruktiven Schritt.

Illustration des Mastektomie-Verfahrens mit Brustgewebeentfernung und Brustwandanatomie

Vorteile der primären Rekonstruktion

  • Psychische Entlastung — Weil Sie nicht mit einer völlig flachen Brust aus der Narkose erwachen müssen, lassen sich Verlustgefühl und Belastung des Körperbildes deutlich abmildern.

  • Erhalt von natürlichem Gewebe — Häufig kann mehr eigene Brusthaut erhalten werden, in manchen Fällen sogar die Brustwarze samt Warzenhof. Das führt in der Regel zu einem natürlicheren ästhetischen Ergebnis.

  • Weniger Eingriffe insgesamt — Werden Mastektomie und erste Rekonstruktion zusammengelegt, entfällt im weiteren Behandlungsverlauf ein großer separater Eingriff.

  • Wirtschaftlich günstiger — Ein gemeinsamer Eingriff bedeutet auch nur einen Krankenhausaufenthalt und eine Erholungsphase — das kann die Gesamtkosten spürbar senken.

Herausforderungen der primären Rekonstruktion

  • Längere Operationszeit — Der kombinierte Eingriff zieht sich meist über mehrere Stunden hin. Eine einfache Implantatrekonstruktion verlängert die OP um etwa eine Stunde, eine aufwendige Lappenplastik kann bis zu acht Stunden in Anspruch nehmen.

  • Mögliche Verzögerung der weiteren Krebsbehandlung — Treten Komplikationen bei der Rekonstruktion auf, kann sich der Beginn von Chemotherapie oder Bestrahlung nach hinten verschieben.

  • Entscheidung unter Zeitdruck — Sie müssen sich für ein Rekonstruktionsverfahren entscheiden, während Sie gleichzeitig die Diagnose Krebs verarbeiten.

Sekundäre Rekonstruktion: Wiederaufbau nach abgeschlossener Krebsbehandlung

Die sekundäre Rekonstruktion erfolgt erst Monate oder sogar Jahre nach der eigentlichen Krebsoperation. Tumorentfernung und Wiederaufbau werden bewusst voneinander getrennt — so können Sie zunächst die Krebsbehandlung abschließen, bevor Sie sich dem rekonstruktiven Schritt zuwenden.

Nach einer Strahlentherapie liegt die übliche Wartezeit bei 6 bis 12 Monaten, nach einer Chemotherapie bei 4 Wochen bis 3 Monaten. Diese Pausen sind nicht willkürlich, sondern entscheidend für eine störungsfreie Wundheilung.

Illustration der Mastektomie mit Gewebeexzision

Vorteile der sekundären Rekonstruktion

  • Volle Konzentration auf die Krebsbehandlung — Sie können sich uneingeschränkt auf die onkologische Therapie konzentrieren, ohne die Aufmerksamkeit zwischen Tumorbekämpfung und Rekonstruktion aufteilen zu müssen.

  • Mehr Zeit für die Entscheidung — Sie können sich in Ruhe mit den verschiedenen Rekonstruktionsverfahren auseinandersetzen, ohne unter dem Druck einer schnellen Wahl zu stehen.

  • Geringere Risiken durch Bestrahlung — Eine Bestrahlung kann rekonstruierte Brüste — insbesondere implantatbasierte Rekonstruktionen — erheblich schädigen. Wer wartet, umgeht dieses Problem.

Bewusst auf eine Rekonstruktion verzichten

Auf eine Rekonstruktion zu verzichten, ist eine vollkommen legitime Entscheidung, die viele Frauen ganz bewusst treffen. Konkret heißt das: flach leben nach der Mastektomie oder mit dem Ergebnis der Lumpektomie ohne weitere rekonstruktive Eingriffe leben. Viele Frauen, die diesen Weg wählen, tragen externe Brustprothesen — sowohl aus Gründen der Körperbalance als auch für ein harmonisches Erscheinungsbild unter der Kleidung.

Die Vorteile liegen auf der Hand: kürzere Operationszeit, keine Komplikationen durch eine Rekonstruktion, geringere Kosten und schnellere Rückkehr in den Alltag. Die meisten Frauen sind innerhalb von 4 bis 6 Wochen wieder zu wenig anstrengenden Tätigkeiten in der Lage.

Wie Sie zu Ihrer Entscheidung finden

Dr. Foumani sagt seinen Patientinnen stets: Die Krebsbehandlung hat immer Vorrang. Eine Brustrekonstruktion verbessert in nahezu allen Fällen nicht die Überlebenschancen. Verläuft alles ohne Komplikationen, kann sie das Selbstbild und das Wohlbefinden erheblich stärken. Treten jedoch Komplikationen auf, fällt das Ergebnis mitunter weniger zufriedenstellend aus.

Welcher Zeitpunkt für Ihre Rekonstruktion der richtige ist, hängt von medizinischen Gegebenheiten, persönlichen Vorlieben und ganz praktischen Aspekten ab — etwa beruflichen Verpflichtungen, der Verantwortung gegenüber Ihrer Familie und der verfügbaren Unterstützung in der Erholungsphase.

Dieser Beitrag ist Teil einer Serie zum Buch "Brustrekonstruktion Erklärt" von Dr. Foumani. Auf breastreconstructionsurgeon.com finden Sie zudem unseren kostenlosen E-Learning-Kurs mit vertiefenden Informationen.

Häufig gestellte Fragen zum Zeitpunkt der Brustrekonstruktion

Was ist der Unterschied zwischen sofortiger und verzögerter Brustrekonstruktion?

Die sofortige (primäre) Rekonstruktion erfolgt direkt im Rahmen der Mastektomie-Operation. Die verzögerte (sekundäre) Rekonstruktion ist ein eigenständiger Eingriff Monate oder Jahre danach. Da bei der sofortigen Variante meist mehr natürliche Brusthaut erhalten bleibt, fällt das ästhetische Ergebnis häufig besser aus.

Wie lange muss ich nach einer Bestrahlung mit der Brustrekonstruktion warten?

Die meisten plastischen Chirurgen raten zu einer Wartezeit von mindestens 6 bis 12 Monaten nach Abschluss der Strahlentherapie. In bestrahltem Gewebe liefert eine autologe Rekonstruktion mit Eigengewebe — etwa mittels DIEP-Lappen — in der Regel bessere Ergebnisse als eine Implantatrekonstruktion.

Ist eine Rekonstruktion auch noch Jahre nach der Mastektomie möglich?

Ja, eine zeitliche Begrenzung gibt es nicht. Auch viele Jahre oder sogar Jahrzehnte nach der Mastektomie können Frauen erfolgreich rekonstruiert werden. Entscheidend ist allein, dass Sie in einem guten Allgemeinzustand sind.

Beeinflusst die Brustrekonstruktion die Krebserkennung?

Studien zeigen klar: Eine Brustrekonstruktion erhöht weder das Rückfallrisiko, noch erschwert sie das Erkennen eines Rezidivs. Moderne bildgebende Verfahren ermöglichen eine zuverlässige Überwachung auch der rekonstruierten Brust.

Ist es normal, sich gegen eine Rekonstruktion zu entscheiden?

Selbstverständlich. Sich gegen eine Rekonstruktion und für ein Leben "flach" zu entscheiden, ist eine vollkommen legitime — und gesellschaftlich zunehmend anerkannte — Wahl. Entscheidend ist allein, dass die Entscheidung zu Ihnen und Ihren Werten passt.

Verfasst von Dr. Mahyar Foumani, Facharzt für plastische und rekonstruktive Chirurgie mit Spezialisierung auf Brustrekonstruktion. Basierend auf dem Buch 'Brustrekonstruktion Erklärt.'

 
 
 

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