LICAP-Lappen: Brustrekonstruktion nach brusterhaltender Operation (Außenseite)
- Dr. Mahyar Foumani

- 9. März
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 18. Mai
Liegt ein Brusttumor im oberen oder seitlichen (äußeren) Bereich der Brust, kann eine brusterhaltende Operation einen deutlichen Defekt hinterlassen, der die Form und Kontur der Brust spürbar verändert. Bei Frauen mit kleineren Brüsten oder größeren Tumoren in diesen Regionen reichen klassische Gewebeumverteilungen oft nicht aus, um das natürliche Aussehen wiederherzustellen. Hier kommt der LICAP-Lappen ins Spiel — der Laterale Interkostalarterien-Perforator-Lappen — als elegante onkoplastische Lösung.
Was ist ein LICAP-Lappen?
Der LICAP-Lappen ist ein Verfahren des Volumenersatzes in der onkoplastischen Brustchirurgie. Dabei wird Gewebe — Haut und Fett — von der seitlichen Brustwand entnommen und nach vorne in die Brust geschwenkt, um den durch die Tumorentfernung entstandenen Hohlraum zu füllen. Das Gewebe bleibt über kleine Perforatorgefäße mit seiner Blutversorgung verbunden, die von den lateralen Interkostalarterien abzweigen. Das sorgt für eine zuverlässige Heilung und einen guten Erhalt des verlagerten Gewebes.
Anders als größere Lappenverfahren — wie der DIEP-Lappen oder der Latissimus-dorsi-Lappen —, die für eine vollständige Brustrekonstruktion verwendet werden, ist der LICAP-Lappen ein lokaler Perforatorlappen, speziell entwickelt für die Teilrekonstruktion. Mikrochirurgie ist nicht nötig, und die darunterliegenden Muskeln bleiben vollständig erhalten.
Warum ist der LICAP-Lappen besonders geeignet bei Tumoren im oberen und seitlichen Brustbereich?
Der LICAP-Lappen eignet sich besonders gut für Tumoren im oberen äußeren Quadranten und in den seitlichen Bereichen der Brust. Das Spendergewebe an der seitlichen Brustwand grenzt direkt an diese Regionen. Es hat eine ähnliche Textur und Qualität wie das Brustgewebe selbst — das Ergebnis sieht und fühlt sich nach der Heilung daher sehr natürlich an.
Vor der Operation identifiziert der Chirurg die versorgenden Perforatorgefäße per CT-Angiographie oder Doppler-Ultraschall. Diese präoperative Bildgebung erlaubt eine präzise Planung des Lappens entlang der kräftigsten Perforatorgefäße.
Der Ablauf des Eingriffs
Der LICAP-Lappen wird in der Regel direkt im Anschluss an die brusterhaltende Operation gesetzt — ein onkoplastischer Ansatz, der Krebsentfernung und Rekonstruktion in einer einzigen Operation vereint.
Zunächst entfernt der onkologische Chirurg den Tumor mit ausreichenden Sicherheitsabständen — dabei entsteht der Hohlraum in der Brust. Anschließend hebt der plastische Chirurg einen Lappen aus Haut und Fett von der seitlichen Brustwand und erhält dabei die Blutversorgung über die lateralen Interkostal-Perforatorgefäße sorgfältig. Der Lappen wird dann in den Hohlraum geschwenkt, um Volumen und Form wiederherzustellen. Wird zusätzliche Haut nicht benötigt, kann der Lappen de-epithelialisiert werden. Die Entnahmestelle an der seitlichen Brustwand wird direkt verschlossen — die Narbe verläuft üblicherweise unter der BH-Linie.
Die Vorteile des LICAP-Lappens
Der LICAP-Lappen punktet in mehreren Bereichen: substanzieller Volumenersatz auch bei größeren Defekten; keine Muskelbeeinträchtigung — und damit kaum funktionelle Einschränkungen an der Entnahmestelle; eine Gewebequalität, die dem Brustgewebe ähnelt und ein natürliches Ergebnis liefert; gut verborgene Narben unter der BH-Linie; und das Einbringen von gesundem, nicht bestrahltem Gewebe kann die Qualität der gesamten Rekonstruktion spürbar verbessern.
Heilung — was Sie erwarten können
Die Heilung nach einem LICAP-Lappen verläuft in der Regel zügiger als nach größeren Lappenverfahren. Die meisten Patientinnen bleiben eine Nacht in der Klinik und können nach rund drei Wochen wieder arbeiten. In der ersten Phase gelten Einschränkungen für Armbewegungen und schweres Heben auf der operierten Seite. Wunddrainagen werden vorübergehend eingelegt. Die Schmerzen sind in der Regel mit üblichen Schmerzmitteln gut beherrschbar.
Für wen eignet sich der LICAP-Lappen?
Der LICAP-Lappen ist eine sehr gute Option für Frauen mit einem Tumor im oberen oder äußeren Quadranten der Brust, deren Brustgröße für eine reine Gewebeumverteilung zu klein ist, die ihre natürliche Brustgröße behalten möchten, die über ausreichend Gewebe an der seitlichen Brustwand verfügen — und die sich eine Rekonstruktion in einem einzigen Eingriff zusammen mit der Krebsoperation wünschen.
Häufig gestellte Fragen
Wofür steht LICAP?
LICAP steht für Lateraler Interkostalarterien-Perforator. Gemeint sind die kleinen Blutgefäße, die von den Zwischenrippenarterien an der Seite der Brustwand abzweigen und das Gewebe des Lappens versorgen.
Wird der LICAP-Lappen direkt mit der brusterhaltenden Operation kombiniert?
Ja — der LICAP-Lappen wird typischerweise unmittelbar nach der Tumorentfernung in derselben Operation durchgeführt. In bestimmten Fällen kann er auch als verzögertes Verfahren zur Korrektur von Defekten nach einer früheren brusterhaltenden Operation eingesetzt werden.
Verliere ich durch einen LICAP-Lappen an Muskelkraft?
Nein. Der LICAP-Lappen besteht ausschließlich aus Haut und Fett. Die Blutversorgung erfolgt über Perforatorgefäße — die Muskelfunktion an der Entnahmestelle bleibt vollständig erhalten.
Lässt sich der LICAP-Lappen mit einer Strahlentherapie kombinieren?
Ja. Der LICAP-Lappen kann vor der Strahlentherapie als Teil der onkoplastischen Chirurgie erfolgen. Das Einbringen von gesundem Gewebe mit guter Blutversorgung kann sogar vorteilhaft für das später bestrahlte Areal sein.
Wie sichtbar sind die Narben?
Die Narbe an der Entnahmestelle verläuft üblicherweise unter der BH-Linie oder in der natürlichen Falte unter dem Arm. Mit der Zeit verblassen die Narben deutlich und sind dann nur noch wenig sichtbar.
Verfasst von Dr. Mahyar Foumani, Facharzt für plastische und rekonstruktive Chirurgie mit Spezialisierung auf Brustrekonstruktion. Basierend auf dem Buch 'Brustrekonstruktion Erklärt.'

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