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Latissimus-dorsi-Lappen (LD-Lappen): die Brustrekonstruktion mit Rückengewebe

Aktualisiert: 18. Mai

Wer nach einer Brustamputation über den Wiederaufbau der Brust nachdenkt, stößt früher oder später auf den Latissimus-dorsi-Lappen (LD-Lappen) — eines der zuverlässigsten und vielseitigsten Verfahren überhaupt. Dafür wird Gewebe vom Rücken verwendet: ein Teil des Latissimus-dorsi-Muskels samt der darüber liegenden Haut und Fett. Anders als beim DIEP-Lappen bleibt der LD-Lappen während des gesamten Eingriffs mit seiner ursprünglichen Blutversorgung verbunden — das macht ihn zu einem besonders sicheren Eingriff mit einem sehr geringen Risiko, dass der gesamte Lappen verloren geht.

Den Latissimus-dorsi-Muskel verstehen

Der Latissimus dorsi ist ein großer, flacher, dreieckiger Muskel, der den mittleren bis unteren Rücken überzieht und sich von der Wirbelsäule bis unter den Arm erstreckt. Er ist an Bewegungen der Schulter und des Arms beteiligt — vor allem an Zug- und Drehbewegungen. Andere Rücken- und Schultermuskeln können einen Großteil seiner Funktion übernehmen, weshalb sich ein Teil des Muskels bei den meisten Frauen ohne nennenswerte Einschränkungen entnehmen lässt.

Die Blutversorgung des Muskels stammt aus den thorakodorsalen Gefäßen, die aus den Achselgefäßen abzweigen. Diese Gefäße liefern eine konstante und kräftige Durchblutung — der Hauptgrund für die ausgezeichnete Sicherheitsbilanz dieses Verfahrens. Weil die Blutversorgung während der Verlagerung verbunden bleibt, ist eine mikrochirurgische Gefäßanastomose nicht nötig — ein wesentlicher Vorteil gegenüber freien Lappenverfahren.

Der Eingriff Schritt für Schritt

Der LD-Lappen-Eingriff folgt einem gut geplanten Ablauf und dauert bei einseitiger Rekonstruktion in der Regel 3 bis 4 Stunden — deutlich kürzer als komplexere freie Lappenverfahren.

Die OP-Planung beginnt schon vor dem Eingriff, während Sie wach und stehen. Ihr Chirurg zeichnet sowohl die Entnahmestelle am Rücken als auch die Brustregion ein. Die Hautinsel am Rücken wird so geplant, dass sie ausreichend Gewebe liefert — und so positioniert, dass die spätere Narbe vom BH-Träger verdeckt werden kann.

Für das Heben des Lappens setzt der Chirurg am Rücken einen Schnitt, meist horizontal oder leicht diagonal. Der Latissimus-dorsi-Muskel wird zusammen mit seinen Blutgefäßen — den thorakodorsalen Gefäßen — sorgfältig präpariert. Ein Teil des Muskels wird gemeinsam mit der darüber liegenden Haut und dem Fett vom umliegenden Gewebe gelöst, während die entscheidende Blutversorgung erhalten bleibt.

Anschließend wird das Gewebe durch einen Tunnel unter der Haut vom Rücken — unter der Achsel hindurch — zur Brust geführt. Behutsam zieht der Chirurg den Lappen durch diesen Tunnel; entscheidend ist, dass er dabei mit seinen versorgenden Gefäßen verbunden bleibt. Genau das unterscheidet den LD-Lappen von freien Gewebetransfers.

Sobald das Gewebe an seinem neuen Ort liegt, formt der Chirurg daraus einen natürlichen Brusthügel. In vielen Fällen wird zusätzlich ein Implantat unter dem Lappen platziert, um mehr Volumen und Projektion zu erreichen. Manchmal kommt zunächst auch ein Gewebeexpander zum Einsatz. Bei Frauen mit ausreichend Rückengewebe kann ein erweiterter LD-Lappen sogar genügend Volumen ohne Implantat liefern. Am Ende werden sowohl die Entnahmestelle am Rücken als auch die Brust verschlossen — an beiden Stellen werden Wunddrainagen eingelegt.

Varianten des LD-Lappens

LD-Lappen mit Implantat

Die häufigste Variante. Das natürliche Gewebe vom Rücken legt sich wie eine weiche Hülle über das Implantat und lässt die Brust natürlicher wirken als eine reine Implantatrekonstruktion. Besonders im oberen und seitlichen Brustbereich, wo die Haut nach einer Brustamputation oft dünn ist, ist diese Kombination sehr wirkungsvoll.

Erweiterter LD-Lappen

Hier wird zusätzlich Fett und Haut von Rücken und Flanke mitgenommen, um mehr Volumen zu schaffen. Diese Variante macht es manchmal möglich, ganz auf ein Implantat zu verzichten — besonders bei Frauen mit reichlich Rückengewebe oder dem Wunsch nach einer kleineren Brustgröße. Falls später noch Feinkorrekturen nötig sind, lässt sich das Ergebnis durch ein oder mehrere Lipofilling-Sitzungen weiter verfeinern.

Mini-LD-Lappen

Nutzt nur einen kleinen Teil des Muskels — zum Beispiel für Teilrekonstruktionen nach einer brusterhaltenden Operation oder zur Korrektur von Konturdefekten nach früheren Eingriffen. Durch den begrenzten Umfang sind die Auswirkungen an der Entnahmestelle minimal.

Die wichtigsten Vorteile des LD-Lappens

Sein größter Pluspunkt ist die Zuverlässigkeit. Weil der Lappen mit seiner ursprünglichen Blutversorgung verbunden bleibt, ist das Risiko eines vollständigen Lappenverlustes äußerst gering — deutlich geringer als bei freien Gewebetransfers. Das macht den LD-Lappen besonders wertvoll für Frauen, die eine Strahlentherapie hinter sich haben oder andere Risikofaktoren für die Wundheilung mitbringen.

Auch die ausgezeichnete Verträglichkeit nach Bestrahlung ist ein entscheidender Vorteil. Der verlagerte Muskel bringt gesundes, gut durchblutetes Gewebe in den vorgeschädigten Bereich und schafft damit eine deutlich bessere Basis als bestrahlte Haut allein. Der Eingriff ist technisch weniger anspruchsvoll als ein mikrochirurgisches Verfahren und daher in mehr Kliniken verfügbar. Die kürzere OP-Zeit von 3 bis 4 Stunden bedeutet zudem weniger Zeit unter Narkose.

Auch in puncto Einsatzbreite überzeugt der LD-Lappen: Er funktioniert als primäre wie als sekundäre Rekonstruktion, einseitig oder beidseitig — und sogar als Rettungsoption, wenn ein vorheriges Rekonstruktionsverfahren nicht erfolgreich war.

Wichtige Aspekte und Grenzen

Eine Narbe am Rücken lässt sich nicht vermeiden. Sie wird in der Regel so platziert, dass sie ein BH-Träger verdeckt — Frauen, die häufig rückenfreie Kleidung tragen, sollten aber für sich klären, wie sie damit umgehen möchten. Über 12 bis 18 Monate verblasst die Narbe deutlich.

Manche Frauen bemerken nach der Verlagerung des Latissimus-dorsi-Muskels eine leichte Schulter- oder Armschwäche. Die meisten gewöhnen sich gut daran, weil andere Muskeln die Funktion mitübernehmen. Sportlerinnen, die stark auf Zugbewegungen angewiesen sind — etwa Ruderinnen, Kletterinnen oder Schwimmerinnen — können jedoch eine spürbarere Einschränkung erleben.

Ein weiteres Thema ist die sogenannte Animationsdeformität: In manchen Fällen kann sich die rekonstruierte Brust sichtbar bewegen oder kurzzeitig die Form verändern, sobald der verbliebene Latissimus-Muskel bei bestimmten Armbewegungen anspannt. Vorbeugend kann der Nerv zum Muskel während der Operation gezielt durchtrennt werden; später helfen ein kleiner Folgeeingriff oder gezielte Botox-Injektionen.

Heilung und Rehabilitation

Der Krankenhausaufenthalt dauert in der Regel 1 bis 3 Tage — kürzer als bei aufwendigeren Lappenverfahren. Drainagen verbleiben 7 bis 14 Tage an beiden Operationsstellen. In den ersten 3 bis 4 Wochen sind Über-Kopf-Bewegungen und schweres Heben tabu. Etwa 2 bis 4 Wochen nach der OP beginnt die Physiotherapie und konzentriert sich darauf, Beweglichkeit und Kraft in Schulter und Arm wiederherzustellen.

Die Rückkehr in den Alltag verläuft stufenweise: leichte alltägliche Aktivitäten innerhalb von 2 Wochen, Rückkehr in eine wenig körperliche Arbeit nach 4 bis 6 Wochen, anstrengendere körperliche Aktivitäten nach 8 bis 12 Wochen und vollständige Rückkehr in alle Aktivitäten einschließlich Sport nach 3 bis 6 Monaten.

Für wen eignet sich der LD-Lappen besonders?

Der LD-Lappen kann eine ausgezeichnete Lösung sein, wenn Sie nicht genügend Bauchgewebe für einen DIEP-Lappen haben, frühere Operationen am Bauch hatten, eine Rekonstruktion nach einer Strahlentherapie benötigen, eine vorherige Rekonstruktion nicht zum gewünschten Ergebnis geführt hat, oder Sie sich einen kürzeren und technisch weniger komplexen Eingriff als ein mikrochirurgisches Verfahren wünschen. Weniger geeignet kann er sein für Frauen mit früheren Rückenoperationen oder einer Schädigung der thorakodorsalen Gefäße, für Frauen, die ihren Latissimus-Muskel beruflich oder sportlich stark beanspruchen, oder bei sehr wenig vorhandenem Rückengewebe.

LD-Lappen oder DIEP-Lappen — wo liegt der Unterschied?

Beide Verfahren nutzen körpereigenes Gewebe, unterscheiden sich aber in wesentlichen Punkten. Der DIEP-Lappen verwendet Bauchgewebe und ist ein freier Lappen — die Blutgefäße werden mikrochirurgisch wieder angeschlossen. Er liefert in der Regel mehr Volumen für größere Brustgrößen ohne Implantat. Die Operation dauert länger (4 bis 8 Stunden), die Heilung ist umfangreicher.

Der LD-Lappen verwendet Rückengewebe und bleibt während des gesamten Eingriffs mit seiner Blutversorgung verbunden — das macht den Eingriff kürzer (3 bis 4 Stunden) und das Risiko eines Lappenverlustes geringer. Allerdings braucht er häufiger ein ergänzendes Implantat für ausreichendes Volumen. Weil keine mikrochirurgische Erfahrung nötig ist, ist das Verfahren in mehr Kliniken verfügbar. Welche Variante für Sie passt, hängt von Ihrem Körpertyp, Ihrer Behandlungsgeschichte und Ihren Zielen ab — das klärt Ihr Chirurg gemeinsam mit Ihnen.

Langfristige Ergebnisse

Die Langzeitzufriedenheit nach einer LD-Lappen-Rekonstruktion ist insgesamt hoch. Das verlagerte Gewebe wird zu einem natürlichen Bestandteil der Brust, und ein Teil des Gefühls kann mit der Zeit zurückkehren. Für Frauen, bei denen ein LD-Lappen mit Implantat kombiniert wurde, sorgt die Gewebeabdeckung für ein natürlicheres Aussehen — und für ein Alterungsbild, das einer reinen Implantatrekonstruktion deutlich überlegen ist. Dass der LD-Lappen in der modernen Brustrekonstruktion seine feste Rolle behalten hat, spricht für seine einzigartige Kombination aus Sicherheit, Zuverlässigkeit und Anpassungsfähigkeit.

Häufig gestellte Fragen zum LD-Lappen

Was ist eine LD-Lappen-Brustrekonstruktion?

Beim LD-Lappen wird ein Teil des Latissimus-dorsi-Muskels samt der darüber liegenden Haut und Fett vom Rücken zur Brust verlagert. Das Gewebe bleibt dabei mit seiner ursprünglichen Blutversorgung verbunden — das macht den Eingriff zu einem der sichersten und zuverlässigsten Lappenverfahren überhaupt.

Benötigt der LD-Lappen ein Implantat?

In vielen Fällen ja. Der Standard-LD-Lappen wird häufig mit einem Brustimplantat kombiniert. Der erweiterte LD-Lappen kann aber durchaus auch ohne Implantat ausreichend Volumen liefern — besonders bei Frauen mit reichlich Rückengewebe oder dem Wunsch nach einer kleineren Brust.

Wie lange dauert die Heilung?

Der Krankenhausaufenthalt liegt bei 1 bis 3 Tagen. Drainagen verbleiben 7 bis 14 Tage. Über-Kopf-Bewegungen und schweres Heben sind 3 bis 4 Wochen eingeschränkt. Eine Rückkehr in eine wenig körperliche Arbeit ist nach 4 bis 6 Wochen möglich, die vollständige Rückkehr in alle Aktivitäten einschließlich Sport nach 3 bis 6 Monaten.

Ist der LD-Lappen nach einer Bestrahlung geeignet?

Ja, der LD-Lappen ist gerade nach einer Strahlentherapie eine besonders gute Option. Der verlagerte Muskel bringt gesundes, gut durchblutetes Gewebe in den bestrahlten Brustbereich und sorgt damit für eine deutlich bessere Wundheilung und ein besseres Ergebnis als eine reine Implantatrekonstruktion in bestrahlter Haut.

Worin unterscheidet sich der LD-Lappen vom DIEP?

Der DIEP-Lappen verwendet Bauchgewebe mit mikrochirurgischem Gefäßanschluss (4 bis 8 Stunden OP) und bietet häufig mehr Volumen ohne Implantat. Der LD-Lappen nutzt Rückengewebe, bleibt mit seiner Blutversorgung verbunden (3 bis 4 Stunden OP), hat ein geringeres Risiko für Lappenverlust, benötigt aber meist ein ergänzendes Implantat. Der LD-Lappen ist breiter verfügbar und die Heilung verläuft schneller.

Verfasst von Dr. Mahyar Foumani, Facharzt für plastische und rekonstruktive Chirurgie mit Spezialisierung auf Brustrekonstruktion. Basierend auf dem Buch 'Brustrekonstruktion Erklärt.' Auf breastreconstructionsurgeon.com finden Sie außerdem unseren kostenlosen E-Learning-Kurs.

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