Eigenfetttransplantation für die vollständige Brustrekonstruktion: Ihre Brust mit eigenem Fett aufbauen
- Dr. Mahyar Foumani

- 1. Apr.
- 4 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 18. Mai
Für Frauen, die nach einer Brustamputation über eine Brustrekonstruktion nachdenken, klingt die Vorstellung, eine Brust vollständig aus eigenem Körperfett aufzubauen — ohne Implantate, ohne große Lappenoperationen — fast zu schön, um wahr zu sein. Fortschritte in der Eigenfetttransplantation — auch Lipofilling oder autologer Fetttransfer genannt — haben das jedoch zu einer realen und immer weiter verfeinerten Option für sorgfältig ausgewählte Patientinnen gemacht. Dabei werden Fettzellen aus anderen Körperregionen genutzt, um über mehrere Sitzungen hinweg schrittweise einen neuen Brusthügel aufzubauen — mit einem vollkommen natürlichen Ergebnis und minimaler Narbenbildung.
Was ist die Eigenfetttransplantation für die vollständige Brustrekonstruktion?
Bei der Eigenfetttransplantation für die vollständige Brustrekonstruktion werden Ihre eigenen Fettzellen — über eine Liposuktion aus Regionen wie Bauch, Oberschenkeln oder Flanken gewonnen — verwendet, um nach einer Brustamputation die gesamte Brust wieder aufzubauen. Während das Lipofilling traditionell zur Konturverfeinerung nach anderen Rekonstruktionstechniken eingesetzt wurde, ermöglichen heutige Fortschritte eine vollständige Brustrekonstruktion allein durch Fetttransfer. Der Prozess läuft über mehrere Sitzungen im Abstand von einigen Monaten ab; Volumen und Form werden schrittweise aufgebaut.
Wie läuft das Verfahren ab?
Die Eigenfetttransplantation umfasst einen dreistufigen Prozess, der über mehrere Sitzungen wiederholt wird:
Gewinnung: Fettzellen werden schonend mit speziellen dünnen Kanülen und sanftem Sog aus den Entnahmebereichen — Bauch, Oberschenkel, Flanken oder Gesäß — entnommen. Größere Kanülen und ein geringerer Saugdruck als bei der klassischen Liposuktion schützen die Lebensfähigkeit der Fettzellen.
Aufbereitung: Das gewonnene Fett wird durch Zentrifugation, Spülen oder Filtration gereinigt. Dieser entscheidende Schritt trennt gesunde Fettzellen von Flüssigkeiten, beschädigten Zellen und anderen Bestandteilen — so wird der Anteil überlebender Zellen maximiert.
Injektion: Das aufbereitete Fett wird in kleinen Mengen, verteilt über mehrere Schichten und Bereiche, sorgfältig in die Brustregion injiziert. Dieses präzise, schichtweise Vorgehen stellt sicher, dass jede transplantierte Zelle nah genug an einer Blutversorgung liegt, bis sich neue Blutgefäße bilden.
Jede Sitzung dauert pro Brust etwa eine Stunde — Sie gehen am selben Tag wieder nach Hause. Der gesamte Rekonstruktionsprozess erstreckt sich üblicherweise über 1 bis 2 Jahre mit 3 bis 5 einzelnen Eingriffen, abhängig von Ihrer gewünschten Brustgröße, der Reaktion des Gewebes und dem verfügbaren Entnahmefett.
Die Rolle der externen Vorexpansion: BRAVA- und EVE-Systeme
Damit die Fetttransplantate besser überleben, setzen viele Chirurgen externe Vorexpansionsgeräte ein — wie das BRAVA-System oder die neuere Variante EVE. Diese Geräte üben über mehrere Wochen vor jeder Sitzung kontrollierten Unterdruck auf die Brustregion aus. Die meisten Protokolle arbeiten mit alternierenden Druckstufen — üblicherweise −60 mmHg und −20 mmHg — zwei Wochen vor der Operation, gefolgt von −20 mmHg für zwei Wochen danach. Patientinnen tragen die Geräte etwa zehn Stunden täglich. Die mechanische Stimulation steigert die lokale Durchblutung, fördert die Bildung neuer Blutgefäße und schafft so ein optimales Umfeld für die Integration des Fettes.
Die Vorteile der Rekonstruktion mit Eigenfett
Die vollständige Brustrekonstruktion mit Eigenfetttransplantation bringt einige wichtige Vorteile mit sich. Das Ergebnis ist vollkommen natürlich — die rekonstruierte Brust besteht ausschließlich aus Ihren eigenen Fettzellen, die natürlich aussehen, sich natürlich anfühlen und natürlich altern. Der Eingriff ist minimal-invasiv, vermeidet große Operationen und hinterlässt nur kleine Schnitte. Hinzu kommt ein doppelter ästhetischer Nutzen: Die Liposuktion entnimmt Fett genau dort, wo Sie selbst gerne weniger hätten. Der schrittweise, anpassbare Ablauf erlaubt es Ihnen, das Ergebnis nach jedem Schritt zu beurteilen. Alle Muskeln bleiben vollständig erhalten, und die Narbenbildung ist minimal.
Überlegungen und Grenzen
Wichtig zu wissen: Die Fettüberlebensraten variieren — üblicherweise bleiben 40 bis 70 Prozent der transplantierten Fettzellen dauerhaft erhalten, der Rest wird resorbiert. Die Vorexpansion erfordert Engagement: Die Geräte müssen täglich mehrere Stunden getragen werden. An den Entnahmestellen können Konturveränderungen sichtbar bleiben — besonders bei sehr schlanken Patientinnen. Selten können sich in der rekonstruierten Brust Fettzysten oder kleine Verkalkungen bilden. Ausreichend Entnahmefett ist eine Grundvoraussetzung; sehr schlanke Frauen kommen für dieses Verfahren möglicherweise nicht in Frage.
Heilung und was Sie erwartet
Die Heilung nach jeder Sitzung verläuft deutlich entspannter als nach großen Lappenoperationen. Jede Sitzung ist ein ambulanter Eingriff. Die Heilung an den Entnahmestellen ähnelt der nach einer Standard-Liposuktion — mit Blutergüssen, Schwellungen und Druckgefühl, die typischerweise innerhalb von 1 bis 3 Wochen abklingen. Kompressionskleidung unterstützt die Heilung. Die meisten Frauen sind nach wenigen Tagen wieder zu leichten Aktivitäten in der Lage und nehmen ihren normalen Alltag innerhalb von 1 bis 2 Wochen wieder auf.
Für wen eignet sich dieses Verfahren?
Ideale Kandidatinnen sind Frauen, die eine brustwarzen- oder hautschonende Brustamputation hatten — und daher über einen bestehenden Hautmantel zum Füllen verfügen. Außerdem ist ausreichend Entnahmefett in Regionen wie Bauch, Oberschenkeln oder Flanken nötig. Besonders attraktiv ist das Verfahren für Frauen, die sich eine völlig natürliche Rekonstruktion ohne Implantate wünschen und bereit sind, über 1 bis 2 Jahre hinweg mehrere Sitzungen einzuplanen.
Häufig gestellte Fragen
Wie viele Sitzungen sind für eine vollständige Brustrekonstruktion mit Eigenfett nötig?
Die meisten Frauen brauchen 3 bis 5 Sitzungen im Abstand von 3 bis 6 Monaten — der gesamte Prozess zieht sich üblicherweise über 1 bis 2 Jahre.
Wie viel Fett bleibt nach jeder Sitzung erhalten?
Typischerweise bleiben 40 bis 70 Prozent der transplantierten Fettzellen dauerhaft erhalten. Das übrige Fett wird auf natürliche Weise resorbiert. Vorexpansionsgeräte wie BRAVA können die Überlebensrate spürbar verbessern.
Ist Eigenfetttransplantation für Brustkrebspatientinnen sicher?
Die aktuelle Forschungslage unterstützt die Sicherheit der Eigenfetttransplantation nach einer Krebsbehandlung. Das transplantierte Fett erhöht das Rezidivrisiko nicht. Im Gegenteil: Fetttransplantation kann strahlengeschädigtes Gewebe über regenerative Stammzelleneffekte sogar verbessern.
Was ist das BRAVA-System — und ist es zwingend nötig?
Das BRAVA-System (und die neuere Variante EVE) ist ein externes Vorexpansionsgerät, das mit kontrolliertem Unterdruck arbeitet, um das Brustgewebe auf die Fetttransplantation vorzubereiten. Klinische Studien zeigen eine deutlich verbesserte Fettüberlebensrate. Das Gerät wird vor und nach jeder Sitzung jeweils zwei Wochen lang etwa zehn Stunden täglich getragen.
Lässt sich Eigenfetttransplantation mit anderen Rekonstruktionsmethoden kombinieren?
Ja — häufig in Kombination mit einem Gewebeexpander im sogenannten Hybridansatz. Dabei wird zunächst ein Expander gesetzt und das Expandervolumen schrittweise durch Eigenfett ersetzt, bis der Expander vollständig entfernt werden kann. Auch zur Verfeinerung nach Implantat- oder Lappenrekonstruktionen ist das Lipofilling ein etabliertes Werkzeug.
Verfasst von Dr. Mahyar Foumani, Facharzt für plastische und rekonstruktive Chirurgie mit Spezialisierung auf Brustrekonstruktion. Basierend auf dem Buch 'Brustrekonstruktion Erklärt.'


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