Mastektomie oder Lumpektomie: Was Sie für Ihre Entscheidung wissen sollten
- Dr. Mahyar Foumani

- 2. März
- 4 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 18. Mai
Dieser Beitrag stützt sich auf das Buch "Brustrekonstruktion Erklärt" von Dr. Foumani.
Welche Form der Brustkrebsoperation gewählt wird — Mastektomie oder Lumpektomie — entscheidet ganz wesentlich darüber, welche Möglichkeiten der Brustrekonstruktion Ihnen offenstehen und welches Ergebnis sich erzielen lässt. Jedes Verfahren schafft völlig andere Ausgangsbedingungen für den Wiederaufbau und bringt jeweils eigene Chancen wie auch Überlegungen mit sich. Wer diese Zusammenhänge versteht, kann eine wirklich fundierte Entscheidung treffen.
Erst wenn Sie sich ein klares Bild von den verschiedenen Aspekten gemacht haben, können Sie gemeinsam mit Ihrem Arzt den Weg festlegen, der am besten zu Ihnen passt. Die gewählte Option sollte nicht nur Ihren ästhetischen Vorstellungen entsprechen — sie muss vor allem medizinisch tragfähig sein.
Mastektomie: vollständige Entfernung und umfassende Rekonstruktion
Bei einer Mastektomie wird das gesamte Brustgewebe sorgfältig entfernt. Zurück bleibt eine flache Brustwand, die als Ausgangsbasis für einen vollständigen Wiederaufbau dient. In den meisten Fällen werden Brustwarze und Warzenhof zusammen mit dem Brustgewebe entnommen. Unter bestimmten Voraussetzungen lassen sich Brustwarze und Warzenhof allerdings erhalten — ob das für Sie in Frage kommt, klärt Ihr behandelnder Arzt mit Ihnen.



Diese Illustrationen verdeutlichen die Mastektomie-Technik, bei der das gesamte Brustgewebe einschließlich Brustwarze und Warzenhof sorgfältig entfernt wird.
Mastektomie-Arten und ihre Bedeutung für die Rekonstruktion
Bei der klassischen (einfachen) Mastektomie wird sämtliches Brustgewebe gemeinsam mit Brustwarze und Warzenhof entnommen, während die Brustmuskulatur unberührt bleibt. Bei der hautschonenden Variante bleibt der größte Teil der Brusthaut erhalten — das Ergebnis nach der Rekonstruktion wirkt dadurch in der Regel natürlicher.
Die brustwarzenerhaltende Mastektomie bewahrt sowohl die Haut als auch den Brustwarzen-Warzenhof-Komplex. Sie eignet sich besonders für Frauen mit kleineren Tumoren, die nicht in unmittelbarer Nähe der Brustwarze liegen. Bei der modifiziert-radikalen Mastektomie werden zusätzlich die meisten Achsellymphknoten entfernt.



Wo die Mastektomie-Narben verlaufen und wie lang sie sind, hat erheblichen Einfluss auf den späteren Wiederaufbau. Üblich sind Narben in der Brustumschlagfalte (inframammär), rund um den Warzenhof (periareolär), vertikal oder elliptisch verlaufend.
Sophie, 42, Grafikdesignerin, ließ eine beidseitige brustwarzenerhaltende Mastektomie mit sofortiger Implantatrekonstruktion durchführen: "Dass ich meine eigene Haut und meine Brustwarzen behalten konnte, hat einen riesigen Unterschied gemacht. Das Gefühl ist zwar größtenteils weg, aber optisch sieht es wirklich gut aus."
Rekonstruktionsmöglichkeiten nach Mastektomie
Bei der implantatbasierten Rekonstruktion werden Silikon- oder Kochsalzprothesen eingesetzt, um Form und Volumen der Brust wiederherzustellen. Das kann direkt während der Mastektomie geschehen oder in zwei Schritten mit Hilfe eines Gewebeexpanders. Bei der autologen Rekonstruktion wird hingegen körpereigenes Gewebe von einer anderen Körperregion verwendet — typische Entnahmestellen sind der Bauch (DIEP-Lappen), der Rücken (Latissimus-dorsi-Lappen), das Gesäß oder der Oberschenkel.
Worauf besonders zu achten ist
Gehört eine Bestrahlung zu Ihrem Behandlungsplan, beeinflusst das den rekonstruktiven Weg ganz erheblich. Bestrahlung kann Gewebe schädigen, die Elastizität der Haut mindern und das Komplikationsrisiko deutlich erhöhen — vor allem bei implantatbasierten Verfahren. Beidseitige und einseitige Mastektomien stellen den Chirurgen zudem vor unterschiedliche Aufgaben: Bei der beidseitigen Rekonstruktion werden beide Brüste neu geformt, während bei der einseitigen die rekonstruierte Seite an die natürliche angeglichen werden muss.
Lumpektomie: Teilentfernung und Wiederherstellung
Bei der Lumpektomie wird gezielt der Tumor samt einem schmalen Saum gesunden Gewebes entfernt, während der größte Teil der Brust erhalten bleibt. Die Grundform der Brust bleibt damit zwar bewahrt, dennoch kann es zu unregelmäßigen Konturen oder einem sichtbaren Volumenverlust kommen.
Wie sehr das später sichtbar ist, hängt vor allem vom Verhältnis zwischen Tumor- und Brustgröße ab. Auch die Lage spielt eine Rolle: Tumoren in der Nähe der Brustwarze hinterlassen oft deutlichere Veränderungen. Die Strahlentherapie, die nach einer Lumpektomie in der Regel empfohlen wird, kann zusätzlich Verhärtungen, eine leichte Schrumpfung und Konturveränderungen verursachen.





Lumpektomie bei einem lokal begrenzten Brusttumor: Die Bilder zeigen die chirurgische Entfernung des Tumors mit einem Saum gesunden Gewebes.
Rekonstruktionsmöglichkeiten nach Lumpektomie
Die onkoplastische Chirurgie verbindet Tumorentfernung und plastisch-chirurgische Formgebung in einer einzigen Operation. Mit Eigenfetttransfer (Lipofilling) lassen sich Dellen und Unregelmäßigkeiten ausgleichen — dieser Schritt erfolgt in der Regel 6 bis 12 Monate nach Abschluss der letzten Behandlung.
Die rekonstruktiven Ansätze im Vergleich
Nach einer Mastektomie muss eine völlig neue Brust aufgebaut werden — die Genesung dauert hier in der Regel länger. Nach einer Lumpektomie geht es hingegen um Teilkorrekturen mittels Gewebeumverteilung, Lipofilling oder lokalen Lappen. Die Erholung verläuft meist schneller, und ein großer Teil der natürlichen Empfindung bleibt erhalten.
Wie Sie zu Ihrer Entscheidung finden
Im Vordergrund stehen immer die onkologischen Gegebenheiten: Tumorgröße, Lage, Stadium und Biologie geben das chirurgische Vorgehen weitgehend vor. Daneben spielen aber auch persönliche Vorlieben eine wichtige Rolle. Zusätzliche Risikofaktoren wie genetische Mutationen können die Entscheidung ebenfalls beeinflussen.
Ihre Entscheidung zu Operation und Rekonstruktion spiegelt sowohl medizinische Notwendigkeit als auch Ihre persönlichen Werte wider. Ziel bleibt es, den Krebs wirksam zu behandeln — und Ihnen anschließend zu helfen, sich in Ihrem Körper wieder wohlzufühlen.
Dieser Beitrag ist Teil einer Serie zum Buch "Brustrekonstruktion Erklärt" von Dr. Foumani. Auf breastreconstructionsurgeon.com finden Sie außerdem unseren kostenlosen E-Learning-Kurs.
Häufig gestellte Fragen zu Mastektomie, Lumpektomie und Rekonstruktion
Worin unterscheiden sich Mastektomie und Lumpektomie?
Bei einer Mastektomie wird das gesamte Brustgewebe entfernt, weshalb in der Regel eine vollständige Rekonstruktion folgt. Bei einer Lumpektomie wird hingegen nur der Tumor mit einem Sicherheitsabstand entnommen, der größte Teil der Brust bleibt erhalten. Die Überlebensraten beider Verfahren sind nach heutigem Stand gleichwertig.
Kann ich selbst zwischen Mastektomie und Lumpektomie wählen?
In vielen Fällen ja — sind beide Verfahren onkologisch gleichermaßen sicher, liegt die Entscheidung letztlich bei Ihnen. In bestimmten Situationen, etwa bei sehr großen Tumoren oder einer genetischen Belastung wie einer BRCA-Mutation, ist die Mastektomie jedoch die medizinisch sinnvollere Wahl.
Was bedeutet brustwarzenerhaltende Mastektomie?
Bei der brustwarzenerhaltenden Mastektomie wird zwar das gesamte Brustgewebe entnommen, der natürliche Brustwarzen-Warzenhof-Komplex bleibt jedoch erhalten. Voraussetzung ist meist, dass der Tumor nicht in unmittelbarer Nähe der Brustwarze liegt und eher klein ist.
Welche Rekonstruktionsmöglichkeiten gibt es nach einer Lumpektomie?
Nach einer Lumpektomie zielt die Rekonstruktion auf den Ausgleich von Formveränderungen. Möglich sind onkoplastische Techniken, Lipofilling sowie — wenn nötig — ein Symmetrieeingriff an der anderen Brust. Viele Frauen benötigen nach einer Lumpektomie allerdings gar keine rekonstruktive Korrektur.
Ist eine Symmetrieoperation an der gesunden Brust notwendig?
Symmetrieeingriffe werden manchmal empfohlen, sind aber nie zwingend. In den Niederlanden werden sie im Rahmen einer Brustrekonstruktion nach Brustkrebs von der gesetzlichen Basiskrankenversicherung übernommen. Die Entscheidung liegt am Ende immer bei Ihnen selbst.
Verfasst von Dr. Mahyar Foumani, Facharzt für plastische und rekonstruktive Chirurgie mit Spezialisierung auf Brustrekonstruktion. Basierend auf dem Buch 'Brustrekonstruktion Erklärt.'


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