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Expanderprothese (Becker-Implantat): der dauerhafte Expander erklärt – ohne Wechsel-OP?

12. Sept.
9 Min. Lesezeit
Expanderprothese (Becker-Implantat): der dauerhafte Expander erklärt – ohne Wechsel-OP?

Eine Expanderprothese (Becker-Implantat) ist ein Gewebeexpander und ein Brustimplantat in einem Gerät. Sie hat eine Hülle aus Silikon und innen eine Kammer, die nach der Operation langsam mit Kochsalzlösung (Salzwasser) gefüllt wird. Das geschieht über einen kleinen Port unter der Haut. Ist die gewünschte Größe erreicht, wird der Port in einem kleinen Eingriff entfernt, und das Gerät bleibt als Ihr Implantat an Ort und Stelle. Die große Wechsel-OP wie beim normalen Gewebeexpander entfällt also. Ein kleiner Eingriff zum Entfernen des Ports bleibt aber nötig.

In diesem Artikel

Was ist eine Expanderprothese (Becker-Implantat)?

Das Becker-Implantat ist ein besonderes Brustimplantat, das nach der Operation noch gefüllt werden kann. Die äußere Hülle besteht aus Silikon. Innen gibt es zwei Teile. Ein Teil ist schon im Werk mit Silikongel gefüllt. Der andere Teil ist eine leere Kammer für Kochsalzlösung. Von dieser Kammer führt ein dünner Schlauch zu einem kleinen Port (einem Ventil). Diesen Port legt die Chirurgin oder der Chirurg unter die Haut, oft in der Nähe der Achsel.

Nach der Operation füllt Ihr Operationsteam oder eine speziell geschulte Pflegekraft die Kammer Schritt für Schritt. Jede Füllung dehnt die Haut ein wenig mehr. Hat die Brust die Größe, die Sie und Ihr Team sich wünschen, werden Schlauch und Port entfernt. Das Becker-Implantat bleibt dann als dauerhaftes Implantat. Deshalb nennt man es auch permanenten Expander oder einzeitige Expanderprothese.

Becker-Implantat oder normaler Expander mit Implantat: zwei Schritte oder einer

Bei der üblichen Rekonstruktion mit Implantat gibt es zwei Schritte. Im ersten Schritt setzt das Operationsteam einen vorübergehenden Gewebeexpander ein. Im zweiten Schritt, Monate später, wird der Expander entfernt und gegen ein dauerhaftes Implantat getauscht. Diese zweite Operation heißt Wechsel-OP. Mehr dazu lesen Sie in unserem Artikel über den Wechsel vom Expander zum Implantat.

Mit einem Becker-Implantat werden die zwei Schritte zu einem. Das Gerät, das die Haut dehnt, ist zugleich das endgültige Implantat. Die Wechsel-OP fällt weg. Übrig bleibt ein kleiner Eingriff, um den Port zu entfernen. Der Preis dafür ist weniger Auswahl am Ende. Bei einem normalen Wechsel kann das Operationsteam die beste Implantatform und -größe für Ihren Brustkorb wählen und die Implantattasche anpassen. Beim Becker-Implantat steht die Form weitgehend fest, sobald das Gerät eingesetzt ist.

Becker 25, 35 und 50: was die Zahlen bedeuten

Becker-Implantate gibt es in einigen Varianten, meist Becker 25, Becker 35 und Becker 50 genannt. Die Zahl beschreibt, wie sich das Volumen auf das feste Silikongel und die verstellbare Kochsalzkammer verteilt. Eine kleine Zahl bedeutet einen kleinen Gelanteil und eine große Kochsalzkammer. Eine große Zahl bedeutet mehr Gel und eine kleinere Kochsalzkammer.

  • Becker 25: überwiegend Kochsalzlösung. Es lässt sich am stärksten anpassen. Das ist hilfreich, wenn die endgültige Größe noch unsicher ist oder die Haut viel gedehnt werden muss.

  • Becker 35: die mittlere Variante, mit etwas mehr Gel und einer etwas kleineren Kochsalzkammer.

  • Becker 50: etwa halb Gel, halb Kochsalzlösung. Es fühlt sich eher wie ein normales Silikonimplantat an, lässt sich aber weniger anpassen.

Ihr Operationsteam wählt die Variante nach Ihrer Haut, der Größe der anderen Brust und danach, wie stark sich die Größe noch ändern muss. Fragen Sie, welche Variante für Sie geplant ist und warum.

Für wen eine Expanderprothese geeignet sein kann

Viele Operationsteams ziehen ein Becker-Implantat in solchen Situationen in Betracht:

  • Sie möchten eine zweite große Operation vermeiden. Die Wechsel-OP fällt weg. Nur das kleine Entfernen des Ports bleibt.

  • Sofortrekonstruktion. Das Becker-Implantat kann direkt bei der Brustentfernung (Mastektomie) eingesetzt werden, auch wenn die Haut das volle Volumen noch nicht halten kann. Der Rest wird später aufgefüllt.

  • Ihre endgültige Größe ist noch unsicher. Die Kochsalzkammer lässt sich über die Zeit anpassen. So kann sich die Größe in den ersten Monaten noch etwas ändern.

  • Spätere Rekonstruktion bei straffer Haut. Wenn ein volles Implantat nicht sofort eingesetzt werden kann, kann das Becker-Implantat als Zwischenlösung dienen.

Für wen sie weniger geeignet ist

Ein Becker-Implantat ist nicht für jede Frau die beste Wahl. Viele Operationsteams raten in diesen Fällen davon ab oder sind zurückhaltend:

  • Eine Strahlentherapie ist geplant. Die Bestrahlung macht die Haut fester und weniger dehnbar. Das Auffüllen wird schwieriger, und das Risiko für Probleme rund um das Implantat steigt. Mehr dazu in unserem Artikel darüber, wie eine Strahlentherapie Ihre Optionen für die Brustrekonstruktion beeinflusst.

  • Dünne oder geschädigte Haut. Der Port und die Ränder des Geräts sind dann leichter zu sehen oder zu tasten. Rippling (sichtbare Wellen in der Haut) ist wahrscheinlicher.

  • Sie wünschen sich die bestmögliche Form. Bei einem normalen Wechsel kann das Operationsteam aus vielen Implantatformen und -größen wählen und die Tasche fein abstimmen. Ein Becker-Implantat gibt weniger Kontrolle über das Endergebnis.

  • Sie sind sich bei einem Implantat überhaupt nicht sicher. Wenn Sie später vielleicht eine Rekonstruktion mit Eigengewebe möchten, hält ein normaler Expander mehr Wege offen.

Die Operation und die Auffülltermine

Das Becker-Implantat wird in einer Operation unter Vollnarkose eingesetzt. Das kann während der Brustentfernung geschehen oder in einer späteren Operation. Das Operationsteam bildet eine Tasche, oft hinter oder vor dem Brustmuskel, und setzt das Gerät ein. Schlauch und Port kommen unter die Haut, meist nahe der Achsel oder seitlich am Brustkorb. Für einige Tage kann eine Drainage nötig sein.

Die Auffülltermine beginnen, sobald die Wunden verheilt sind, meist einige Wochen nach der Operation. Bei jedem Termin tastet die Pflegekraft oder die Chirurgin den Port unter der Haut, reinigt die Stelle und spritzt mit einer dünnen Nadel eine kleine Menge Kochsalzlösung ein. Ein oder zwei Tage lang können Sie ein Spannungsgefühl oder Druck spüren. Das lässt meist nach, sobald sich die Haut anpasst. Sie kommen alle ein bis zwei Wochen wieder, bis die Größe stimmt. Das dauert oft einige Monate.

Manche Operationsteams füllen das Becker-Implantat etwas über die endgültige Größe hinaus und lassen dann wieder etwas Kochsalzlösung ab. So kann die Brust weicher und natürlicher fallen. Ihr Team erklärt Ihnen den Plan für Sie.

Den Port entfernen

Wenn die Größe stimmt und sich die Haut beruhigt hat, werden Port und Schlauch entfernt. Das ist meist ein kleiner Eingriff über einen kurzen Schnitt in der Nähe des Ports. Viele Operationsteams machen das in örtlicher Betäubung, manchmal ambulant. Das Ventil am Implantat schließt sich, und das Gerät bleibt als Ihr dauerhaftes Implantat. Manche Teams nutzen diesen Moment auch für kleine Korrekturen, zum Beispiel eine Eigenfettbehandlung (Lipofilling), um die Ränder weicher zu machen.

Vorteile und Nachteile des Becker-Implantats

Vorteile

  • Weniger Operationen: Die große Wechsel-OP ist nicht nötig.

  • Die Größe lässt sich in den ersten Monaten noch anpassen.

  • Geeignet für eine Sofortrekonstruktion, auch wenn die Haut straff ist.

  • Für manche Frauen ein kürzerer Behandlungsweg insgesamt.

Nachteile

  • Weniger Kontrolle über die endgültige Form und die Implantatwahl als bei einem normalen Wechsel.

  • Höhere Wahrscheinlichkeit für Rippling, weil ein großer Teil des Geräts aus Kochsalzlösung besteht.

  • Probleme mit dem Port: Der Port kann sich drehen, tastbar oder schmerzhaft werden oder undicht sein. Manchmal ist dann früher ein kleiner Eingriff nötig.

  • Das Gerät selbst ist meist nicht das weichste oder natürlichste Implantat.

  • Ein kleiner zusätzlicher Eingriff zum Entfernen des Ports bleibt nötig.

Risiken einer Expanderprothese

Die Risiken sind weitgehend dieselben wie bei jeder Rekonstruktion mit Implantat. Ihr Operationsteam bespricht sie vor der Operation mit Ihnen:

  • Infektion oder Wundprobleme, vor allem in den ersten Wochen. Manchmal muss das Gerät für eine Zeit entfernt werden.

  • Kapselbildung (Kapselfibrose): hartes Narbengewebe um das Implantat, das die Brust fest machen oder ihre Form verändern kann.

  • Rippling: sichtbare oder tastbare Wellen in der Haut, häufiger bei dünner Haut und bei Geräten mit Kochsalzfüllung.

  • Probleme mit Port oder Schlauch: Drehen, Undichtigkeit, Beschwerden, oder der Port zeichnet sich unter der Haut ab.

  • Entleerung oder Leck der Kochsalzkammer. Die Brust wird dann kleiner, und eine neue Operation ist nötig.

  • Eine spätere Operation, um das Implantat zu ersetzen, anzupassen oder zu entfernen. Kein Implantat hält ein Leben lang.

Genesung nach einer Expanderprothese

Die Genesung nach dem Einsetzen ähnelt der Genesung nach einem normalen Gewebeexpander. In den ersten Tagen können Sie ein Spannungsgefühl und Druck in der Brust spüren. Die meisten Frauen können nach einigen Wochen wieder leichte Tätigkeiten ausführen. Ihr Operationsteam sagt Ihnen, wann Sie wieder heben, Auto fahren und Sport treiben dürfen. Die Genesung nach dem Entfernen des Ports ist deutlich leichter: eine kleine Wunde, meist einige Tage leichte Beschwerden und eine schnelle Rückkehr in den Alltag. Während der Monate mit Auffüllungen können Sie zwischen den Terminen meist ganz normal leben.

Becker-Implantat, normaler Expander oder direktes Implantat

Drei Wege mit Implantat sind üblich. Keiner ist für alle Frauen der beste. Jeder passt zu anderen Situationen.

  • Normaler Gewebeexpander mit Implantat (zwei Schritte). Zwei Operationen. Die meiste Kontrolle über das endgültige Implantat und die Form. Für die meisten Situationen geeignet, auch wenn der Plan noch offen ist. Lesen Sie unseren Leitfaden zum Gewebeexpander und zur Rekonstruktion mit Implantat.

  • Expanderprothese (Becker-Implantat, ein Schritt plus Entfernen des Ports). Eine Hauptoperation und ein kleiner Eingriff für den Port. Verstellbare Größe. Weniger Kontrolle über die endgültige Form und eine höhere Wahrscheinlichkeit für Rippling.

  • Direktes Implantat. Eine Operation. Das endgültige Implantat wird sofort eingesetzt. Das funktioniert am besten bei guter Hautqualität, genug Haut und ohne geplante Strahlentherapie. Danach ist keine Anpassung mehr möglich.

Welcher Weg zu Ihnen passt, hängt von Ihrer Haut, Ihrer Behandlung, Ihrem Körper und Ihren Wünschen ab. Ihr Operationsteam hilft Ihnen, das gemeinsam abzuwägen.

Häufige Fragen

Was ist eine Expanderprothese (Becker-Implantat)?

Eine Expanderprothese (Becker-Implantat) ist ein Gewebeexpander und ein Brustimplantat in einem Gerät. Sie hat einen äußeren Teil aus Silikongel und eine innere Kammer, die über einen kleinen Port mit Kochsalzlösung (Salzwasser) gefüllt wird. Nach dem Auffüllen wird der Port entfernt, und das Gerät bleibt als endgültiges Implantat im Körper.

Braucht man bei einem Becker-Implantat eine zweite Operation?

Keine vollständige zweite Operation. Die Wechsel-OP wie beim normalen Gewebeexpander ist nicht nötig, weil das Becker-Implantat als Implantat bleibt. Ein kleiner Eingriff ist aber weiterhin nötig, um den Port und seinen Schlauch zu entfernen. Das geschieht oft in örtlicher Betäubung.

Was ist ein Becker-25-Implantat?

Becker 25 ist eine der Varianten des Becker-Implantats. Die Zahl zeigt, wie sich das Volumen auf das feste Silikongel und die verstellbare Kochsalzkammer verteilt. Beim Becker 25 ist der Gelanteil klein und der größte Teil des Volumens besteht aus Kochsalzlösung. Es lässt sich also stark anpassen. Becker 35 und Becker 50 haben mehr Gel und eine kleinere Kochsalzkammer.

Ist ein Becker-Implantat ein permanenter Expander?

Ja, so kann man es sehen. Es dehnt die Haut wie ein Gewebeexpander, ist aber dafür gemacht, als dauerhaftes Implantat im Körper zu bleiben. Deshalb spricht man auch von einem permanenten Expander oder einer einzeitigen Expanderprothese.

Gewebeexpander oder Becker-Implantat: was ist der Unterschied?

Ein normaler Gewebeexpander ist vorübergehend. Er wird in einer zweiten Operation immer gegen ein dauerhaftes Implantat getauscht. Ein Becker-Implantat ist Expander und Implantat zugleich, die Wechsel-OP entfällt. Dafür hat das Operationsteam weniger Einfluss auf die endgültige Form und die Wahl des Implantats als bei einem normalen Wechsel.

Wie lange dauert das Auffüllen bei einer Expanderprothese?

Das Auffüllen beginnt meist einige Wochen nach der Operation, wenn die Wunden verheilt sind. Dann kommen Sie alle ein bis zwei Wochen für eine kleine Füllung in die Klinik. Die meisten Frauen erreichen ihre endgültige Größe innerhalb weniger Monate. Danach wartet Ihr Operationsteam oft noch eine Weile mit dem Entfernen des Ports, damit sich Haut und Form beruhigen können.

Kann ich eine Expanderprothese bekommen, wenn ich bestrahlt werden muss?

Viele Operationsteams sind bei einem Becker-Implantat vorsichtig, wenn eine Strahlentherapie geplant ist. Die Bestrahlung macht die Haut fester und weniger dehnbar. Das erschwert das Auffüllen und erhöht das Risiko für Probleme rund um jedes Implantat. Ihr Team schlägt dann oft einen anderen Weg vor, etwa einen normalen Expander, eine spätere Rekonstruktion oder Eigengewebe. Sprechen Sie das früh an.

Hält ein Becker-Implantat ein Leben lang?

Nein. Wie jedes Brustimplantat ist ein Becker-Implantat kein Gerät für das ganze Leben. Es muss nach Jahren vielleicht ersetzt oder angepasst werden, zum Beispiel wegen einer Kapselbildung, Rippling, einer Formveränderung oder eines Lecks. Ihr Operationsteam erklärt Ihnen, wie das Implantat im Laufe der Zeit kontrolliert wird.

Fragen an Ihre Chirurgin oder Ihren Chirurgen

  • Warum schlagen Sie mir ein Becker-Implantat vor, und was wäre die Alternative?

  • Welche Variante (Becker 25, 35 oder 50) planen Sie, und warum?

  • Mit wie vielen Auffüllterminen rechnen Sie, und wann wird der Port entfernt?

  • Wie hoch ist in meinem Fall die Wahrscheinlichkeit für Rippling oder Probleme mit dem Port?

  • Was passiert, wenn ich doch eine Strahlentherapie brauche?

Verfasst von Dr. Mahyar Foumani, Facharzt für plastische und rekonstruktive Chirurgie mit Spezialisierung auf Brustrekonstruktion. Basierend auf dem Buch 'Brustrekonstruktion verständlich erklärt.'

Dieser Artikel dient der Aufklärung und ist kein ärztlicher Rat

Dieser Artikel erklärt mit einfachen Worten, wie eine Brustrekonstruktion abläuft. Er soll Ihnen helfen zu verstehen, was möglich ist, damit Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt eine gute Entscheidung treffen können. Er ersetzt keine persönliche ärztliche Beratung.

Jede Situation ist anders. Was für Sie am besten ist, hängt von Ihrem Körper, Ihrer Erkrankung, Ihrer Behandlung und Ihren eigenen Wünschen ab. Folgen Sie deshalb immer dem Rat Ihres eigenen Behandlungsteams. Haben Sie Beschwerden oder sind Sie unsicher? Dann wenden Sie sich an Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Hausarztpraxis. Im Notfall wählen Sie die Notrufnummer Ihres Landes (in Deutschland und Österreich die 112, in der Schweiz die 144).

Weiterführende Orientierung


Quellen und weiterführende Informationen

Medizinisch geprüft von Dr. Mahyar Foumani. Veröffentlicht am 12.09.2026.


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